Amalgam-Toxikologie

Amalgam-Füllungen bestehen zu über 50% aus hoch giftigem Quecksilber. In der Zahnmedizin ist dieses Material seit seiner Einführung, Anfang des 19ten Jahrhunderts, sehr umstritten und war in den USA zeitweilig sogar verboten. Vornehmlich aus Mangel an kostengünstigen Alternativen hat sich die Verwendung jedoch durchsetzen können. Ausserdem gingen Befürworter davon aus, dass das Quecksilber in den Füllungen fest eingebunden sei. Seit einer WHO-Studie von 1991 ist jedoch bestätigt, dass Quecksilber sich ständig aus den Füllungen löst und zwar mehr, als der Mensch durch Nahrung oder Atemluft aufnimmt.
Bereits relativ geringe Mengen von Quecksilber können schwerwiegende Erkrankungen nach sich ziehen. Die Menge von freigesetztem Quecksilber aus Amalgam-Füllungen hängt dabei von der Anzahl und ihre Beschaffenheit ab. Die Oberfläche sollte poliert und glatt sein, jedoch nutzt sie sich auch nach guter Anfertigung mit der Zeit ab. Im Mund löst sich das Quecksilber ins Besondere beim Kauen oder Zähneknirschen sowie beim Verzehr von heißen Speisen oder bei sehr sauren Bedingungen. Ausserdem wird Quecksilber durch Korrosion und elektrochemische Vorgänge bei Anwesenheit von anderen Metallen freigesetzt. Die höchste Exposition durch Quecksilber aus Amalgam-Füllung entsteht jedoch bereits beim Anmischen und Legen der Füllungen sowie beim Herausbohren.(Beim Entfernen sollte daher darauf geachtet werden, dass kein Diamantbohrer mit hoher Drehzahl verwendet wird, sondern geeignete Instrumente, um mit geringem Anpressdruck möglichst große Füllungsfragmente zu lösen).

 

Wie entfaltet das Quecksilber aus Amalgamfüllungen seine toxische Wirkung?

Die toxischen Wirkungen werden wahrscheinlich nicht direkt vom elementaren Quecksilber verursacht, sondern von den Quecksilberverbindungen, die daraus entstehen. Bei vergleichbarer Belastung wächst die Toxizität in der Reihe anorg. Hg(I) < anorg. Hg(II) < org. Hg(II) an.

•Quecksilberverbindungen reagieren mit SH-Gruppen von Proteinen(z. B. Enzymen in den Nierentubuli) wodurch zum einen deren Funktion gestört wird und zum anderen ein neues, dem Immunsystem bisher unbekanntes Protein entsteht, welches eine Autoimmunreaktion auslösen kann.
•Quecksilberverbindungen schädigen Membranen und reagieren mit Amino-gruppen, wie z. B. Nukleinsäuren, was zu einer Reduzierung des RNA-gehaltes in der Zelle führt.
•Quecksilber bindet wesentlich fester als Zink an das Trägerprotein Metallothionin, an dem Zink intrazellulär gebunden ist und verdrängt es aus der Zelle.
•Quecksilber bindet stark an Selen, wodurch ein Selenmangel entstehen kann und eine verminderte Funktion selenabhängiger Enzyme, die in nahezu allen Organen vorkommen, also Störungen verschiedener Organsysteme.
(z.B. Funktionsstörungen der Schilddrüse oder Unfruchtbarkeit des Mannes)
•Quecksilber, welches an Selen zu Quecksilberselenid gebunden ist, kann vom Körper nicht mehr ausgeschieden werden und reichert sich vornehmlich im Gehirn an.

 

Welche Formen von Quecksilber gibt es?

1. Elementares-metallisches-Quecksilber•Hg(0)

Elementares Quecksilber entweicht als Dampf aus den Füllungen und kann über die Atemorgane in die Blutbahn gelangen. Quecksilberdämpfe schlagen sich aber auch auf der Nasenschleimhaut nieder und gelangen von dort direkt in das Gehirn und die Hypophyse. Transportwege sind dabei die olfaktorischen Nerven oder das Venensystem des Kopfes. Im Speichel gelöst kann der Quecksilberdampf auch nach Verschlucken über den Magen-Darm-Trakt resorbiert werden. Allerdings nur zu einem geringen Prozentsatz solange die Barrierefunktion der Darmschleimhaut intakt ist.
In der Lunge wird ca. 80% des eingeatmeten Quecksilbers (fettlöslich) vom Blut aufgenommen, das sich im gesamten Körper verteilt , wo es die meisten Zellmembranen sowie die Blut-Hirn-Schranke und die Plazenta leicht passiert. In den Erythrozyten und den Organen (vor allem Leber und Gehirn) wird dann metallisches zu anorganischem Quecksilber(Hg2+) oxidiert. Da es zwar als Hg(0) die Bluthirnschranke passieren kann, jedoch nach der Oxidation nicht mehr aus dem Gehirn entweichen, akkumuliert es dort.
Eine chronische Exposition von Quecksilberdampf kann zu Polyneuropahtien (Nervenschädigungen) wie Zittern, Wahnvorstellungen, Gedächtnisverlust und neurokognitiven Störungen führen. Darüber hinaus kann eine langfristige Exposition zu Nierenschädigungen führen. Es wird angenommen, dass die letztlich neurotoxische Komponente nach der Exposition gegenüber Quecksilberdampf Hg2+ ist. Nach inhalativer Aufnahme wird elementares überwiegend mit dem Stuhl und Urin ausgeschieden.

2. Anorganisches Quecksilber • (Hg2++) / (Hg2+)

Anorganische Quecksilberverbindungen können Quecksilber entweder in der Oxidationsstufe I (Hg2++) oder II (Hg2+) enthalten.
Es akkumuliert am stärksten in der Niere, gebunden an Metallothionein, (50 % der gesamten Hg-Körperlast), gefolgt von der Leber. Der auffälligste Effekt ist die Nekrose der Nierentubuli. Ist die Niere erst einmal geschädigt entsteht ein Teufelskreis, denn dadurch wird auch wiederum die Quecksilberausscheidung eingeschränkt.
Weiterhin sind Wirkungen auf Blutdruck und Herzschlag bekannt, Schädigung des Magens, Wirkung auf das Immunsystem (insbesondere bei sensiblen Personen) oder Schädigung des Nervensystems (psychopathologische Veränderungen).

3. Organisches Quecksilber • (R-Hg+)

Alkyl-Hg-Verbindungen werden zu 90% in die Erythrozyten aufgenommen und verteilen sich gleichmäßig im ganzen Körper. In den Bindegeweben wird es langsam zu anorganischem Quecksilber umgesetzt.

4. Methylquecksilber

Quecksilber wird durch anaerobe Bakterien in Methylquecksilber umgewandelt. Dies geschieht vornehmlich in Oberflächengewässern. Der Mensch nimmt das Methylquecksilber daher hauptsächlich durch die Nahrung in Form von Fisch und Meerestieren auf.
Allerdings kann eine Methylierung auch durch Mikroorganismen wie Staphylokokken, Streptokokken, E.Coli oder Candida Albicans in Mund und Darm (mit Hilfe von Methylcobalamin (Derivat des Vitamins B12)) stattfinden. Methylquecksilber ist die giftigste Form des Quecksilbers. Eine neue Studie hat belegt, dass die Konzentration von Methylquecksilber im Körper mit der Anzahl der Amalgamfüllungen korreliert.

(University of Giorgia, 15.000 Probanden, https://www.sciencedaily.com/releases/2016/09/160927143042.htm)

Die Ausscheidung von MeHg+ erfolgt über die Gallensäure, welche zum größten Teil im terminalen Illeum rückresorbiert wird. Bei der Darmpassage demythiliert ein weiterer Anteil durch Darmbakterien zu Hg2+ welches auch zu 10% rückresorbiert wird und sich im Körper anreichert.