Kinder mit fehlgebildeter linker Hand: „Waren die Schwangeren beim Zahnarzt?“

Interview im Spiegel:

Schon früher gab es Häufungen von Handfehlbildungen. Die Ärztin Queißer-Wahrendorf hat viele Fälle untersucht und nennt mögliche Ursachen. Annette Queißer-Wahrendorf, 65, ist Oberärztin am Zentrum für Kinderund Jugendmedizin des Uniklinikums Mainz und Leiterin des dortigen Geburtenregisters.

Haben Sie eine solch auffällige Häufung von Handfehlbildungen wie jetzt in Gelsenkirchen schon einmal erlebt?

Queißer-Wahrendorf: Für mich ist das gerade ein Déjà-vu-Erlebnis. 1994 wurden in England entlang der Nordseeküste eine Reihe von Kindern mit Hand- und Armfehlbildungen geboren. Auch in Norddeutschland gab es damals einige Fälle. Wir haben über eine Selbsthilfeorganisation möglichst viele betroffene deutsche Familien aufgespürt und versucht, mithilfe von detaillierten Fragebögen herauszufinden, ob es irgendwelche Auffälligkeiten in der Schwangerschaft gab, die sich bei kranken und gesunden Kindern unterschieden.

Und? Ist Ihnen etwas aufgefallen?

Queißer-Wahrendorf: Wir haben wirklich alles abgefragt: Ernährung der Mutter während der Schwangerschaft, Medikamente, Alkohol, Rauchen, Krankheiten wie Diabetes. Dabei kam heraus: Das einzige, was auffällig war, war, dass viele der Mütter von Kindern mit einer Handfehlbildung in der frühen Schwangerschaft Zahnschmerzen gehabt hatten.

Zahnschmerzen?

Queißer-Wahrendorf: Ja, das klingt erst einmal merkwürdig. Wir haben dann aber die Erlaubnis eingeholt, bei den Zahnärzten genauer nachfragen zu dürfen – und das Ergebnis war interessant: Viele der betroffenen Mütter hatten quecksilberhaltige Amalgamfüllungen in ihren Zähnen gehabt, die erneuert werden mussten. Dabei gelangt immer etwas Quecksilber in den Körper, das möglicherweise, genau wissen wir das nicht, einem Embryo in einem frühen Entwicklungsstadium schaden kann – Arme und Hände entwickeln sich ja schon in den ersten Wochen, wenn die meisten Frauen noch gar nicht wissen, dass sie schwanger sind.

Sollte auch in Gelsenkirchen mal nach Amalgamfüllungen gefragt werden?

Queißer-Wahrendorf: Man sollte auf jeden Fall nachfragen, ob die Frauen zu Beginn der Schwangerschaft beim Zahnarzt gewesen sind, auch wenn Amalgam heute viel weniger verwendet wird als vor 25 Jahren.

………. weiterlesen….

 

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Kinder mit fehlgebildeter linker Hand: „Waren die Schwangeren beim Zahnarzt?“

Interview im Spiegel:

Schon früher gab es Häufungen von Handfehlbildungen. Die Ärztin Queißer-Wahrendorf hat viele Fälle untersucht und nennt mögliche Ursachen. Annette Queißer-Wahrendorf, 65, ist Oberärztin am Zentrum für Kinderund Jugendmedizin des Uniklinikums Mainz und Leiterin des dortigen Geburtenregisters.

Haben Sie eine solch auffällige Häufung von Handfehlbildungen wie jetzt in Gelsenkirchen schon einmal erlebt?

Queißer-Wahrendorf: Für mich ist das gerade ein Déjà-vu-Erlebnis. 1994 wurden in England entlang der Nordseeküste eine Reihe von Kindern mit Hand- und Armfehlbildungen geboren. Auch in Norddeutschland gab es damals einige Fälle. Wir haben über eine Selbsthilfeorganisation möglichst viele betroffene deutsche Familien aufgespürt und versucht, mithilfe von detaillierten Fragebögen herauszufinden, ob es irgendwelche Auffälligkeiten in der Schwangerschaft gab, die sich bei kranken und gesunden Kindern unterschieden.

Und? Ist Ihnen etwas aufgefallen?

Queißer-Wahrendorf: Wir haben wirklich alles abgefragt: Ernährung der Mutter während der Schwangerschaft, Medikamente, Alkohol, Rauchen, Krankheiten wie Diabetes. Dabei kam heraus: Das einzige, was auffällig war, war, dass viele der Mütter von Kindern mit einer Handfehlbildung in der frühen Schwangerschaft Zahnschmerzen gehabt hatten.

Zahnschmerzen?

Queißer-Wahrendorf: Ja, das klingt erst einmal merkwürdig. Wir haben dann aber die Erlaubnis eingeholt, bei den Zahnärzten genauer nachfragen zu dürfen – und das Ergebnis war interessant: Viele der betroffenen Mütter hatten quecksilberhaltige Amalgamfüllungen in ihren Zähnen gehabt, die erneuert werden mussten. Dabei gelangt immer etwas Quecksilber in den Körper, das möglicherweise, genau wissen wir das nicht, einem Embryo in einem frühen Entwicklungsstadium schaden kann – Arme und Hände entwickeln sich ja schon in den ersten Wochen, wenn die meisten Frauen noch gar nicht wissen, dass sie schwanger sind.

Sollte auch in Gelsenkirchen mal nach Amalgamfüllungen gefragt werden?

Queißer-Wahrendorf: Man sollte auf jeden Fall nachfragen, ob die Frauen zu Beginn der Schwangerschaft beim Zahnarzt gewesen sind, auch wenn Amalgam heute viel weniger verwendet wird als vor 25 Jahren.

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