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UN sammeln Informationen für Amalgam-Verbot weltweit

Auf der dritten Konferenz der Minamata-Konvention (25. bis 29. November 2019 in Genf) einigten sich die Vertragsparteien zur Vorbereitung der vierten Konferenz (1. bis 5. November 2021 in Nusa Dua, Bali, Indonesien) auf eine Reihe von Aktionspunkten zur wirksamen Umsetzung des Minamata-Übereinkommens.

Um die Verwendung von Dentalamalgam schrittweise einzustellen, forderte die Konferenz die Vertragsparteien auf, zusätzliche Maßnahmen zu ergreifen und ersuchte das Sekretariat, Informationen über die Durchführung von den Vertragsparteien zu sammeln.

Darüber hinaus ersuchte die Konferenz das Sekretariat, von den Vertragsparteien und anderen Personen Informationen nach Absatz 7 Artikel 4 des Übereinkommens zu sammeln, d.h. Informationen, die sich auf die Verfügbarkeit, die technische und wirtschaftliche Durchführbarkeit sowie auf die Umwelt- und Gesundheitsrisiken und Vorteile der quecksilberfreien Alternativen beziehen. Die erhaltenen Informationen werden unter Angabe der darin enthaltenen Quellen zusammengefasst und den Parteien bis spätestens 1. Dezember 2020 zur Verfügung gestellt.

Eine überwältigende Mehrheit der Einreichungen zum Stichtag (dem 15. August 2020) bestätigt die Verfügbarkeit von kostengünstigen und haltbaren Alternativen.

Eine Übersicht finden Sie auf der Webseite der Minamata Konvention:

Das European Center for Environmental Medicine (Projekt der IG Umwelt Zahn Medizin) hat in Koordination mit der World Alliance for Mercury Free Dentistry wissenschaftliche Beiträge an das Sekretariat weitergeleitet.

Kommission legt Studie über Amalgam-Verbot in Europa vor

Auf der Grundlage von nationalen Aktions-Plänen, einer Umfrage, früheren Berichten an die Europäische Kommission und weiteren Informationen veröffentlichte die Kommission am 17. Juni 2020 eine Studie, in der die Machbarkeit eines vollständigen Ausstiegs aus der Verwendung von Amalgam untersucht wird.

Die Bewertung von drei Optionen für einen Ausstieg bis 2025, 2027 und 2030 kam zu folgenden wichtigen Ergebnissen:

  • Die Verwendung von Dentalamalgam in der EU ist rückläufig, und ein genereller Ausstieg (möglicherweise mit medizinischen Ausnahmefällen) ist sowohl technisch als auch wirtschaftlich machbar, allerdings mit einer gewissen Belastung der Versicherungssysteme in einigen Mitgliedstaaten verbunden.
  • Es wird erwartet, dass die fortschreitende Substitution von Dentalamalgam durch quecksilberfreie Materialien ohne eine politische Intervention auf EU-Ebene fortgesetzt wird. Ohne ein Verbot würden jedoch weiterhin erhebliche Mengen von Dentalamalgam verwendet werden, was die mit der derzeitigen Verwendung von Dentalamalgam verbundenen Umwelt- und Gesundheitsauswirkungen unnötig verlängern würde.
  • Die Fortsetzung der Verwendung von Dentalamalgam könnte die Wirksamkeit anderer Gesetze und Maßnahmen, die auf die Auswirkungen von Quecksilber abzielen, behindern und möglicherweise verringern, insbesondere die Wasserrahmenrichtlinie 2000/60/EG, die Quecksilber als prioritären gefährlichen Stoff einstuft, die Richtlinie 2008/105/EG, die Umweltqualitätsnormen für Quecksilber festlegt, und die rechtzeitige Umsetzung des Minamata-Übereinkommens.

Hier geht’s zum vollständigen Bericht:

Und so geht’s weiter :

Auf Grundlage des Berichts spricht die Europäische Kommission eine Handlungsempfehlung aus, welche dem Europäischen Rat und dem Parlament vorgelegt wird. Der Bericht selbst hat nach unserer Einschätzung bereits eine deutliche Tendenz für ein europaweites Amalgam-Verbot.

Aufwendige Lobbyarbeit

Nach einer Anhörung für den Bericht haben wir im Februar umfangreiche Informationen über die verfügbaren Alternativen, betroffene europäische Verordnungen, Abfall- und Abwasserwirtschaft sowie gesundheitliche Bedenken eingereicht. Auch danach haben wir in Brüssel weiter lobbyiert und unter anderem eine offizielle Antwort auf ein Anschreiben an Frans Timmermans (Kommissar für den Green Deal) im Namen von über 50 NGOs erhalten.

 

Florian Schulze

Gründer & Geschäftsführer  

  • bis 2012 Kulturmanager in Berlin und New York
  • seit 2013 deutscher Sprecher des Weltverbandes für quecksilberfreie Zahnmedizin
  • seit 2013 aktiv im Einsatz für ein Amalgamverbot in Europa (Gesellschaft für Schwermetalltoxkologie)
  • 2014 – 2017 Heilpraktiker mit den Schwerpunkten Umweltmedizin und Chelat-Therapie
  • 2014 Curriculum für Ursachen-Therapie
  • 2015 Curriculum Umwelt-ZahnMedizin bei der DeGUZ e.V.
  • 2016 Curriculum Umweltmedizin bei der IGRMM e.V.
  • 2017 Gründung der IG Umwelt Zahn Medizin
  • seit 2017 EU-Koordinator des Weltverbandes für quecksilberfreie Zahnmedizin
  • 2017 Fortbildung in Kampagnenstrategie bei der Campaigning Academy Berlin, Volker Gaßner (Greenpeace)
  • seit 2019 Mitglied der Arbeitsgruppe für Humanbiomonitoring der International Society for Exposure Science Europa
  • seit 2019 Mitglied im Deutschen Normungsausschuss für metallische Werkstoffe in der Zahnmedizin
  • 2020 Amalgam-Experte in der Arbeitsgruppe der UN Minamata-Konvention über Quecksilber

Dr. Joachim Mutter

Dr. med. Joachim Mutter arbeitete nach Ausbildung und Tätigkeit als Energiegeräteelektroniker, nachträglichem Abitur und Medizinstudium (Uni Freiburg) seit Januar 2000 als Arzt, zuerst in der Inneren Medizin. Von 2001 bis 2008 arbeitete er an der Universitätsklinik Freiburg und absolvierte dort die Ausbildung zum Facharzt für Hygiene- u. Umweltmedizin sowie Zusatzbezeichnungen für Naturheilverfahren u. Akupunktur. Seit 2009 führt er eine Arztpraxis für Ursachenmedizin in Konstanz. Seit 2016 ist er zusätzlich stellv. Chefarzt der Paracelsus Clinica Alronc, Schweiz. Er ist Dozent mit Vortrags- und Seminartätigkeit im In- und Ausland, u.a. auch an der Universität Warschau (zu Autismus), Europa-Universität Frankfurt (Oder), im Landtag Bayern (zu Mobilfunk) oder vor Europapolitikern in Luxemburg und Brüssel (zu Amalgam und Mobilfunk). Er hat wissenschaftliche Studien veröffentlicht und ist auch als Gutachter für Gerichte und wissenschaftliche Zeitschriften sowie durch Interviews in Zeitschriften, Radio und Fernsehen bekannt geworden. Hauptziel ist effektive Prävention und Behandlung der häufigsten Krankheiten sowie Verbesserung der Leistungsfähigkeit, auch bei Spitzensportlern.   Mitgliedschaften EROPAEM (European Academy of Environmental Medicine) dBU (deutscher Berufsverband der Umweltmediziner) NATUM (Ärztegesellschaft für Naturheilkunde und Umweltmedizin) DGUHT (Deutsche Gesellschaft für Umweltmedizin und Humantoxikologie) >>Veröffentlichungen

Amalgam-Verbot bleibt 2020 weltweit auf dem Vormarsch

Tansania, die Philippinen, Argentinien und die Republik Moldau mit beispielhaften Fortschritten

  • Die Philippinen haben am 14. Mai ein Gesetzt erlassen, nach dem die Verwendung von Amalgam in drei Jahren verboten wird. Als Übergang wird ein Verbot der Verwendung für Kinder unter 15 Jahren, Schwangeren und stillenden Frauen (ähnlich wie in Europa) eingeführt.
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  • In Tansania wurde im Januar eine Richtlinie auf den Weg gebracht, nach der ab 2023 alle Kinder und Frauen im gebärfähigen Alter (was über die europäische Regelung hinausgeht) mit quecksilberfreien Alternativen behandelt werden.
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  • Argentinien hat bei dem Sekretariat der Minamata-Convention einen Beitrag über Amalgam eingereicht und schildert eindrucksvoll, welche Fortschritte es auf dem Weg zur quecksilberfreien Zahnmedizin (Phase out 2025) macht.
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  • In der Republik Moldau ist am 15. Februar 2020 ein Gesetz vom 29.11.2018 in Kraft getreten, nachdem die Verwendung und die Einfuhr von Zahnamalgam generell verboten ist.
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Prof. Dr. Wolf-Dieter Müller

Ehemaliger Leiter des Bereichs zahnärztliche Werkstoffkunde und Biomaterialforschung Charité – Universitätsmedizin Berlin CBF: Campus Benjamin Franklin

Charité Centrum Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde CC 3 Zahnärztliche Prothetik, Alterszahnmedizin und Funktionslehre Funktionsbereich: Zahnärztliche Werkstoffkunde und Biomaterialforschung