Verursachte Kosten durch Quecksilber in Amalgamfüllungen

Kosten der Entsorgung umweltgefährdender Abfälle in der Zahnarztpraxis[i]

Die gegenwärtige und historische Verwendung von Amalgam führt dazu, dass Amalgam als Sonderabfall getrennt gesammelt und behandelt werden muss. Hierzu zählen vor allem überschüssige Amalgamabfälle aus dem Absatz, der in Amalgamabscheidern und Zahnarztstuhlsammelbehältern anfällt, sowie in geringerem Maße feste Abfälle aus der Aufbereitung von Neuamalgam. In Deutschland belaufen sich die Kosten der Abfallverwertung für Zahnärzte auf bis zu 600 Euro pro Jahr.

Kontrolle der lückenlosen Amalgamentsorgung in der Zahnarztpraxis[ii]

Immer noch ist Amalgam (A), eine Legierung mit einem hohen Anteil Quecksilber (Hg) sowie Silber (Ag) und Zinn (Sn), ein brisantes Thema für die Entsorgung. Amalgam wird zwar in immer weniger Praxen verwendet, fällt aber gelegentlich beim Herausbohren alter Füllungen oder beim Befüllen einer neuen Kavität mit Amalgam doch noch an. Dann entstehen Rückstände beispielsweise als Knet- und Stopfreste, als Kapseln mit Amalgam-Anhaftungen oder auch als A-Füllung in extrahierten Zähnen. In diese Gruppe gehören auch die Reste aus den seit 1989 vorgeschriebenen Amalgamabscheidern. Sie müssen je nach Typ alle sechs bis zwölf Monate ausgetauscht werden. Denn Quecksilber im Abwasser kann in höheren Konzentrationen zu erheblichen Problemen in der Kläranlage führen, wodurch der Klärschlamm aufgrund seiner hohen Belastung nicht mehr als Dünger in der Landwirtschaft genutzt werden kann.

Der Amalgamabscheider muss zudem alle fünf Jahre überprüft werden. Das ist bundesweit einheitlich vorgeschrieben. Trotzdem schwebt das Thema Amalgamabscheider immer noch in einer sogenannten Grauzone, denn nur die Bundesländer Hessen, Berlin, Brandenburg, Schleswig-Holstein und Thüringen haben die Abscheider-Überprüfung von einem ausgewiesenen Sachverständigen inzwischen verbindlich vorgeschrieben. Bei Unregelmäßigkeiten in diesem Sektor droht sogar die Schließung der Praxis.

Alle Amalgamhaltigen Abfälle fallen unter die Rubrik „gefährlich“ und müssen gesondert entsorgt werden. Meistens nehmen die Hersteller oder die Dental-Depots (Dentalfachhändler) diese zurück und geben sie an den Entsorger weiter.

Ein weiterer Sonderfall sind die Filtersiebe, die unter dem Speibecken eingebaut sind. Sie dürfen nicht abgespült werden, denn dann könnte die Amalgamschlacke in das Abwasser gelangen. Oft sind diese mit einem grausilbrigen Schlamm überzogen. Deshalb müssen sie wöchentlichen gewechselt und dem Sondermüll zugeführt werden. Das ist preislich nicht unerheblich, kostet so ein Sieb doch um die drei Euro. Wenn man das für jeden Stuhl in der Praxis berechnet, summieren sich erhebliche Beträge für Zahnärzte zur Gewährleistung der Qualitätssicherung.

Gesundheitskosten durch Quecksilberbelastungen in Zahnarztpraxen[iii]

Eine Studie der University of Massachusetts Lowell im Jahr 2012 ergab, dass viele Angestellte in Zahnarztpraxen höheren Quecksilberbelastungen ausgesetzt sind und sich bei ihnen ein höheres Maß an Quecksilber im Körper findet, als bei der Gesamtbevölkerung.
Die Studie legt nahe, dass die Verwendung von Amalgam minimiert und letztendlich abgeschafft werden sollte, um die Akkumulation von Quecksilber im Körper der Mitarbeiter in Zahnarztpraxen und den weiteren Transport ins Ökosystem zu vermeiden.

Kosten durch Quecksilberbelastung des Klärschlamms in Deutschland[iv],[v],[vi]

2016 trat eine Änderung der Düngemittelverordnung in Kraft, die den zulässigen Grenzwert von Quecksilber im Klärschlamm von 8 mg/kg auf 1 mg/kg senkt.
Zu hohe Quecksilberwerte im Klärschlamm führen dazu, dass dieser verbrannt werden muss und führt zu enormen Mehrkosten für die Gemeinden. In Coppenbrügge konnten die Zahnarztpraxen als Verursacher der erhöhten Belastung identifiziert werden. Obwohl in beiden Praxen ein Amalgamabscheider vorhanden ist, kann durch diese das Quecksilber nicht vollständig gefiltert werden. Auch in anderen Städten, beispielsweise Kiel und Hanerau-Haldermarschen konnten unzulässig hohe Quecksilbereinträge im Abwasser nachgewiesen werden.

Indirekte Gesundheitskosten durch Quecksilberemissionen in die Umwelt[vii]

Quecksilberemissionen aufgrund der Nutzung von Dentalamalgam erhöhen die Quecksilberkonzentration in Böden und Gewässern. Dort kann es in Methylquecksilber umgewandelt und über Nahrungsmittel v.a. Fisch vom Menschen aufgenommen werden. Besonders gefährdet sind Schwangere und Ungeborene. Bei Ungeborenen kann es zu irreversiblen neurologischen Schädigungen kommen, die eine dauerhafte Verminderung des Intelligenzquotienten zur Folge haben. Dieser lässt sich volkswirtschaftlich bewerten. In Bezug auf ein kg atmosphärisch emittierten Quecksilbers ergeben sich dann laut ECHA (2010) volkswirtschaftliche Schäden in Höhe von 5 000 bis 20 000 EUR. Die Schäden könnten tatsächlich noch weit höher liegen (bis 250 000 EUR), wenn ein weitaus weniger gesicherter Zusammenhang mit Herz-Kreislauferkrankungen berücksichtigt wird (ECHA 2010, BIO 2012).

Umweltschutzkosten aufgrund des gegenwärtigen und früheren Gebrauchs von Dentalamalgam[viii]

BIO (2012) verweist im Text auf eine neue Studie von Concorde (2012), in der gezeigt wird, dass die Kosten für Dentalamalgam und quecksilberfreien Füllungen in etwa gleich sind, wenn alle externen Kosten in den Preis je Füllung einbezogen werden. Hierbei wurden Maßnahmen berücksichtigt, die nötig sind, um Quecksilber weitgehend aus allen relevanten Abfallströmen zu beseitigen, u.a. thermische Behandlung von Klärschlamm, Recycling schwach quecksilberhaltiger Abfälle, Filter in Müllverbrennungsanlagen. Hierbei wurden bereits getätigte Investitionen, z.B. für integrierte einfache Auffangbehälter für Dentalquecksilber in Zahnarztstühlen nicht berücksichtigt. Die finanziell am schwersten wiegenden Positionen sind die thermische Behandlung quecksilberhaltiger Verbrennungsrückstände (160-240 Mio. USD), das Recycling schwach quecksilberhaltiger Amalgam-Abfälle (192-288 Mio. USD) und die thermische Behandlung von Klärschlämmen (440 660 Mio. USD). Insgesamt werden jährliche Kosten in Höhe von 2,1 bis 3,4 Mrd. USD ausgewiesen (Tab. 14).Diese lassen sich für die USA auf 40 bis 66 USD je Füllung berechnen. In der Summe wären Amalgamfüllungen gleich teuer wie Komposite (ca. 186 USD).

 

[i] BIO Intelligence Service (BIOIS), Study on the potential for reducing pollution from dental amalgam and batteries (2012)
http://ec.europa.eu/environment/chemicals/mercury/pdf/final_report_110712.pdf
[ii] zm online | 01.09.2012 | Heft 17/2012 https://www.zm-online.de/archiv/2012/17/praxis/entsorgung-von-abfaellen-aus-zahnarztpraxen/
[iii] University of Massachusetts Lowell (UMASS), Occupational Exposure to Elemental Mercury in Odontology/Dentistry (2012)
http://www.sustainableproduction.org/downloads/DentalMercuryReport.pdf
[iv] Deister- und Weserzeitung (Dewezet), Amalgam belastet Klärschlamm (2016)
https://www.dewezet.de/region/weserbergland/coppenbruegge-salzhemmendorf_artikel,-amalgam-belastet-klaerschlamm-_arid,2321109.html
[v] Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag  (sh:z), Quecksilber-Verschmutzung kostet Gemeinde 100.000 Euro (2017) https://www.shz.de/lokales/landeszeitung/quecksilber-verschmutzung-kostet-gemeinde-100-000-euro-id17782941.html
[vi] Kieler Nachrichten,  Zu viel Quecksilber: Kiel steuert um (2017)
http://www.kn-online.de/News/Nachrichten-aus-Kiel/Klaerschlamm-Verwertung-Zu-viel-Quecksilber-Kiel-steuert-um
[vii] Gesellschaft für Anlagen und Reaktorsicherheit (GRS) mbH, Analyse der Effizienz von Maßnahmen und Entwicklung von Strategien zur Verbesserung der internationalen Chemikaliensicherheit hinsichtlich der Auswirkungen für Mensch und Umwelt (2013)
http://www.bmub.bund.de/fileadmin/Daten_BMU/Pools/Forschungsdatenbank/fkz_3711_65_499_chemikaliensicherheit_bf.pdf
[viii] siehe 10