Update: Nationale Aktionspläne zum Ausstieg aus der Verwendung von Amalgam in der EU

Ranking der weitreichendsten Maßnahmen in Europa

Einige europäische Länder wie Schweden oder Dänemark haben Dentalamalgam bereits verboten oder dessen Verwendung stark reguliert, weitere Länder haben seit 2019 Maßnahmen zur Reduzierung der Verwendung durch nationale Aktionspläne verabschiedet.

Gemäß der europäischen Quecksilberverordnung EU 2017/852 musste jeder Mitgliedsstaat bis zum 1. Juli 2019 einen nationalen Aktionsplan vorlegen, um die Verwendung von Dentalamalgam weiter zu reduzieren und vorzugsweise bis 2030 auslaufen zu lassen.

Bis heute wurden 21 von 27 nationalen Plänen eingereicht, lediglich die Pläne von Polen, Griechenland, Malta und Slowenien* fehlen noch.

Bislang sahen die EU-Vorgaben ab dem 1. Juli 2017 vor, dass Amalgam nicht mehr für die Behandlung von Milchzähnen, Kindern unter 15 Jahren und schwangeren sowie stillenden Frauen verwendet werden darf, es sei denn, der Zahnarzt hält es aufgrund der spezifischen medizinischen Bedürfnisse des Patienten für unbedingt erforderlich.

Bei jeder zusätzlich angefertigten Amalgamfüllung wird Quecksilber an die Umwelt abgegeben. Dies ist unerwünscht und wird die erhebliche Umweltbelastung verlängern. Hier sind die ehrgeizigsten Vorschriften:

Europäische Union

1. Schweden (derzeitige Verwendung von Amalgam: 0%)

  • Seit 1999 werden keine Amalgamfüllungen mehr von gesetztlichen Krankenkassen erstattet.
  • 2009 wurde die Verwendung von Dentalamalgam mit folgenden Ausnahmen verboten:
    1) unter besonderen medizinischen Bedingungen
    2) wenn andere Füllungsmaterialien nicht verwendet werden können oder keine adäquate Versorgung bieten
  •  Schweden hat die Ausnahmen am 31. Dezember 2011 zurückgenommen

2. Dänemark (die Verwendung von Amalgam ist von 2007 bis 2017 von 22 % auf 1,7 % zurückgegangen)

  • Seit 1995 ist die Verwendung von Dentalamalgam als Füllungsmaterial in bleibenden Backenzähnen nur noch in folgenden Ausnahmen erlaubt:
    1) keine Trockenlegung möglich
    2) schwierige Zugänglichkeit der Kavität
    3) besonders große Kavität
    4) großer Abstand zum Nachbarzahn

3. Finnland (derzeitige Verwendung von Amalgam: < 1 %)

  • Langfristiges Ziel ist der vollständige Amalgam-Ausstieg bis 2030.
  • Kurzfristige Ziele: Reduzierung der Amalgamverwendung um mindestens 25 % bis 2022; 50 % bis 2025 und 75 % bis 2028.
  • Da die Verwendung von Amalgam durch das öffentliche Finanzierungsmodell gefördert wird, soll das Modell in den kommenden Jahren überprüft und unter diesem Gesichtspunkt erneuert werden.

4. Irland (derzeitige Verwendung von Amalgam: 20%)

  • Irland unterstützt einen schrittweisen Abbau bis zum Ausstieg/Verbot von Amalgam in allen Altersgruppen bis 2030.
  • Die Verwendung von Amalgam wird nur in klinischen Ausnahmefällen erlaubt sein und der Bedarf an klinischen Ausnahmen soll regelmäßig überprüft werden.
  • Das öffentliche Erstattungssystem wird überarbeitet, um quecksilberfreie Alternativen für berechtigte Personen in allen Altersgruppen zu fördern.

5. Slowakei (derzeitige Verwendung von Amalgam: 30%)

  • Die Slowakei hat ein vollständiges Verbot von Amalgam ab dem 1. Januar 2031 im nationalen Gesetz Nr. 578/2004 Slg. verankert. Die zuständige regionale Behörde kann Zahnärzten bei Missachtung eine Geldstrafe von bis zu EUR 3.919,- auferlegen.
  • In den nächsten Jahren ist eine Anpassung der öffentlichen Bezuschusses von alternativen Füllungen geplant.
  • Glasionomerzemente, die von allen Krankenkassen für die gesamte Bevölkerung voll erstattet werden, sind als Standardmaterial für Füllungen anerkannt.

6. Tschechische Republik (Verwendung von Amalgam: 92 % im Jahr 2012)

  • Der NAP sieht vor, dass bis 2030 die Verwendung von Dentalamalgam nur noch 1% der Gesamtzahl der Restaurationen ausmachen soll.
  • Spätestens 2025 soll eine einheitliche, materialunabhängige Vergütung von Zahnfüllungen durch die gesetzlichen Krankenkassen möglich sein.
  • Ab 2030 werden Amalgamfüllungen nur noch in Ausnahmefällen erstattet, wenn keine Alternativen zur Verfügung stehen und der Patient eine Amalgamfüllung wünscht.

7. Kroatien (Plan bis 2025, derzeitige Verwendung >30%)

  • Seit dem 24. Februar 2020 sind alternative Füllungen für Kinder bis zum 18. Lebensjahr sowie für schwangere und stillende Frauen in der gesetzlichen Krankenversicherung Standard.
  • Bis zum 31.12.2025 wird der Anspruch auf die volle Erstattung alternativer Füllungen auf alle Versicherten ausgeweitet, was den Einsatz von Amalgam auf ein Minimum reduzieren wird.

8. Italien (derzeitige Verwendung: <2,2%)

  • Italien hat einen nationalen Plan vorgelegt, in dem Maßnahmen zur schrittweisen Verringerung der Verwendung von Amalgam in der Zahnmedizin beschrieben werden, um das Ziel des vollständigen Ausstiegs (Phase Out) bis zum 31. Dezember 2024 zu erreichen.

9. Spanien (derzeitige Verwendung: 1%)

  • Schrittweise Reduzierung der Verwendung von Dentalamalgam bis zur vollständigen Eliminierung 2030.
  • Plan zur Reduzierung des Einsatzes von Dentalamalgam durch Beschränkung der Verwendung auf spezielle medizinische Bedürfnisse
  •  Plan zur Einrichtung von exklusiven Gesundheitszentren, die autorisiert sind, Zahnfüllungen aus Amalgam zu legen, zu reparieren oder zu entfernen

10. Portugal (Verwendung von Amalgam: 26 % im Jahr 2012)

  • Die portugiesische Regierung hat sich verpflichtet, die Verwendung von Dentalamalgam schrittweise zu reduzieren und durch quecksilberfreie Materialien zu ersetzen. Zahnrestaurationen mit Amalgam sollen auf NHS-Gesundheitseinheiten (im Rahmen der primären Gesundheitsversorgung und der Krankenhausversorgung) und auf ordnungsgemäß begründeten Fälle beschränkt werden.
  •  Ab 2021, wann immer die Notwendigkeit einer Amalgamfüllung gerechtfertigt ist, müssen Patienten über die Behandlungsmethode aufgeklärt werden und ihr Einverständnis geben.

11. Zypern (Verwendung von Amalgam: 30 % im Jahr 2012)

  • Ab dem 1. Januar 2025 ist die Verwendung von Dentalamalgam bei Personen unter 18 Jahren verboten, es sei denn, der Zahnarzt hält es aufgrund besonderer medizinischer Bedürfnisse des Patienten für unbedingt erforderlich.
  •  Bis zum 1. Januar 2025 prüft Zypern die Möglichkeit, die Verwendung von Zahnamalgam in der gesamten Bevölkerung zu verbieten, es sei denn, der Zahnarzt hält es aufgrund spezifischer medizinischer Bedürfnisse des Patienten für absolut notwendig.

12. Ungarn (derzeitige Verwendung: 4%)

  • Ziel ist es, die Verwendung bis 2030 auf unter 1% zu senken,
  • die staatlichen Erstattungsregelungen anzupassen und
  • quecksilberfreie Alternativen zum bevorzugten Material für neue Füllungen zu machen

13. Niederlande (derzeitige Verwendung: 0,55 %)

  • Sollte die Verwendung von Amalgam auf über 1% ansteigt, werden die Niederlande Maßnahmen evaluieren, wie die Verwendung wieder reduziert werden kann.
  • An den zahnmedizinischen Fakultäten wird seit 1997 keine Verwendung von Amalgam mehr unterrichtet.

14. Österreich (Verwendung von Amalgam: 37 % im Jahr 2012)

  • Seit 1995 ist Amalgam bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion oder progressiver degenerativer Erkrankung des peripheren oder zentralen Nervensystems nicht indiziert.
  • Zahnamalgam darf nicht verwendet werden
    • für retrograde Wurzelfüllungen
    • als Material für Stumpfaufbauten unter Kronen oder Brücken;
    • als Verschlussmaterial für gegossene Kronen.

15. Deutschland (vorläufiger Plan, derzeitige Verwendung von Amalgam: < 10%)

  • Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, darauf hinzuwirken, den Einsatz von Amalgam in der zahnärztlichen Behandlung weiter zu reduzieren und auf unverzichtbare Sonderfälle zu beschränken.
  • Der vorläufige Nationale Plan konzentriert sich auf die Förderung von Kariesprävention und die Erhebung von Daten über die tatsächliche Verwendung von Dentalamalgam. Er soll in den Folgejahren periodisch aktualisiert werden.
  • Seit dem 01. Januar 2021 müssen Zahnärzte die Verwendung von Amalgamfüllungen bei der Abrechnung mit gesetzlichen Krankenkassen angeben.

16. Luxemburg (Verwendung von Amalgam: 26 % im Jahr 2012)

  • Die Gesundheitsdirektion hat einen nationalen Plan erstellt, dessen Ziele die lebenslange Vorbeugung von Zahnkaries, der einfache Zugang zu Behandlungen mit quecksilberfreien Materialien, eine objektive Kommunikation über Risiken und Alternativen zur Reduzierung der Verwendung von Zahnamalgam und ein professionelles Management von Amalgamabfällen zur Vermeidung von Umweltverschmutzung sind.

17. Estland (vorläufiger Plan 2019-2023, Verwendung von Amalgam: 1%)

18. Lettland (vorläufiger Plan 2019-2020)

  • Informationen über die Verwendung von Amalgam bei Erwachsenen sind derzeit nicht verfügbar. Solche Daten sollen mit der Einführung eines von Zahnärzten entwickelten Informationssystems für den Zeitraum 2020-2021 gesammelt werden.
  •  Das „Verfahren für die Organisation und Bezahlung von Gesundheitsleistungen“ (28. August 2018) sichert den Zugang zu staatlich finanzierten zahnärztlichen Leistungen (einschließlich der Nutzung von Alternativen) für Kinder unter 18 Jahren.

19. Litauen (vorläufiger Plan, Verwendung von Amalgam: 57 % im Jahr 2012)

  • Zahnmedizinstudenten an litauischen Universitäten werden lediglich theorethisch in die Verwendung von Amalgam eingeführt, aber seit 2008 nicht mehr praktisch darin unterrichtet.
  • Die derzeit umgesetzten Maßnahmen zur Verringerung der Verwendung von Amalgam sollen jedes Kalenderjahr anhand verschiedener Kriterien evaluiert werden. Bis zum 1. Februar eines jeden Jahres legen die Behörden und Einrichtungen, die den Aktionsplan umsetzen, dem Nationalen Zentrum für öffentliche Gesundheit des Gesundheitsministeriums einen Bericht über die Umsetzung der Maßnahmen des vergangenen Jahres vor.
  • Bis zum 1. März eines jeden Jahres erstellt das Nationale Zentrum für öffentliche Gesundheit dann einen Bericht über die Umsetzung der Maßnahmen, der der Koordinierungsbehörde für die Umsetzung der Verordnung 2017/852 vorgelegt wird.

20. Rumänien (Verwendung von Amalgam: 71 % im Jahr 2012)

  • Die Verwendung von Dentalamalgam soll nur in einer ausgewählten Liste von medizinischen Kliniken erlaubt werden.
  • Patienten sind verpflichtet, vor der Verwendung von Amalgam eine informierte Einwilligung auszufüllen.

21. Bulgarien (Verwendung von Amalgam: 30 % im Jahr 2012)

  • Bulgarien betont die Notwendigkeit der Datenerhebung von der tatsächlichen Verwendung von Amalgam, die Notwendigkeit einer verstärkten Prävention und der Aufklärung von Zahnmedizinstudenten und der Bevölkerung über die Risiken von Zahnamalgam.

22. Frankreich (Verwendung von Amalgam: 5% – 25%)

  • Der NAP konzentriert sich in erster Linie auf die Prävention von Karies und betont den kontinuierlichen Rückgang der Verwendung von Dentalamalgam.
  • 2014 aktualisierte die Zahnärztekammer ihre Behandlungsempfehlung für Füllungsmaterialien und fordert seither Zahnärzte auf, Dentalamalgam nur bei wenigen begrenzten und begründeten Indikationen zu verwenden.

23. Belgien (Verwendung von Amalgam: 5% – 7%)

  • Der NAP konzentriert sich in erster Linie auf die Prävention von Karies und hebt den kontinuierlichen Rückgang des Einsatzes von Amalgam hervor.

*  Slowenien (Verwendung von Amalgam: 71 % im Jahr 2012)

  • Slowenien hat lediglich seinen nationalen Umsetzungsplan für die Minamata-Konvention über Quecksilber (von 2017) bei der Europäischen Kommission eingereicht.
  • Es gibt bislang keinen offiziellen Plan, der sich mit Maßnahmen zur Verringerung der Verwendung von Dentalamalgam befasst.
  • Obwohl Dentalamalgam in Slowenien nicht hergestellt wird, ist es immer noch das Standardmaterial, das in der Zahnmedizin verwendet wird.

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Europa

1. Norwegen (derzeitige Verwendung von Amalgam: 0%)

  • 1991 gab Norwegen die ersten Richtlinien heraus um die Verwendung von Amalgam aufgrund der Umweltauswirkungen einzuschränken. Im Jahr 2003 wurden strengere Richtlinien erlassen, die vorschrieben alternative Matrialien als erste Wahl für Füllungen zu verwenden.
  • Seit 2008 gilt in Norwegen ein generelles Verbot von quecksilberhaltigen Produkten. Dies beinhaltete auch ein Verbot von Amalgam, mit einer – inzwischen abgelaufenen – Ausnahmeregelung für Sonderfälle.
  • Die Verwendung von Amalgam ist seit 2011 ohne Ausgaben verboten.

2. Neukaledonien (Frankreich)

  • Am 16. September 2019 hat das Haut-Commissariat de la République en Nouvelle-Calédonie beschlossen, die Verwendung von Dentalamalgam sofort einzustellen.

3. Republik Moldau

  • Zum Schutz der Gesundheit und der Umwelt ist die Herstellung, das Inverkehrbringen und die Verwendung von Dentalamalgam seit dem 15.02.2020 verboten.

4. Schweiz (derzeitige Verwendung von Amalgam: weniger als 1%)

  • Die Schweiz verbietet seit dem 31. Dezember 2017 über die Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung die Verwendung von Dentalamalgam in Fällen, in denen aus medizinischen Gründen einem anderen Füllungsmaterial der Vorzug gegeben werden kann.
  • In jedem Fall ist die Zustimmung des Patienten zum Behandlungsverfahren unbedingt erforderlich.