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Quecksilberemission im Koalitionsvertrag

„Kohle-Kraftwerke müssen die Anforderungen der strikteren Emissionsbandbreiten nach dem Stand der Besten Verfügbaren Technik zu Großfeuerungsanlagen einhalten.“
„Amalgam in Deutschland zu einem konkreten Zeitpunkt, aber vorzugsweise ab 2020, generell verbieten.“

 

 

EU Quecksilber-Verordnung: Nur noch wenige Schritte zum Amalgam-Ausstieg

Die Folgenabschätzung der Überarbeitung der EU Quecksilberverordnung ist abgeschlossen und wird noch vor Jahresende vom Ausschuss für Regulierungskontrolle (Regulatory Scrutiny Board, RSB) geprüft. Sobald sie grünes Licht erhält, wird sich der Umweltausschuss der Kommission mit dem Wirtschafts- und Gesundheitsausschuss beraten und abschließend dem Europäischen Parlament und Rat einen Gesetzgebungsvorschlag vorlegen.

Die Ausarbeitung des Vorschlags sollte urspünglich bis Ende des Jahres 2022 abgeschlossen sein, hat sich aber bereits verzögert und ist nun für das Frühjahr 2023 anvisiert.

In der Folgeabschätzung (Impact Assessment) zur Überarbeitung der EU-Quecksilberverordnung wurden die Auswirkungen eines Ausstiegs aus der Verwendung von Dentalamalgam, sowie von weiteren quecksilberhaltigen Produkte (wie z.B. von Leuchtmitteln) und der Einführung neuer Emissionsgrenzwerte für Krematorien untersucht. Berater der Europäische Kommission hatten dafür Expertenmeinungen eingeholt und eine öffentliche Umfrage durchgeführt. Der abschließende Workshop hat am 15. September mit dreimonatiger Verspätung stattgefunden.

Die Berater erklärten, dass sie die Kosten und Vorzüge eines Amalgam-Ausstiegs (2027/2030), sowie einer Kommunikationskampagne zur Verbesserung der Zahngesundheit und eines Preisangleichs von quecksilberfreien Alternativen durch das öffentliche Gesundheitssystem untersucht hätten. Einen Ausstieg zum 1. Januar 2025 wurde nicht untersucht, da er zu kurzfristig erschien. Außerdem haben die Berater die Auswirkungen eines Exportverbots von Amalgam-Kapseln ab 2025 und einer Exportbeschränkung nach dem PIC Verfahren (PIC = prior informed consent, d.h. das Verfahren der vorherigen Zustimmung nach Inkenntnissetzung) verglichen. Eine Empfehlung wurde jedoch nicht bekannt.

Nachdem eine Machbarkeitsstudie im Auftrag der Kommission 2020 zu dem Schluss gekommen war, dass der schrittweise Ausstieg aus der Verwendung von Dentalamalgam sowohl technisch als auch wirtschaftlich machbar ist, hatte die Kommission angekündigt, den Legislativvorschlag für den Amalgam-Ausstieg auszuarbeiten.

Das European Network for Environmental Medicine hat den Prozess aktiv begleitet und zahlreiche Studien und Erklärungen eingereicht, in denen ein Amalgam-Ausstieg 2025 gefordert wird:

  1. Amalgam verschmutzt unsere Luft, unser Wasser und unseren Boden: Weltweit werden jährlich zwischen 226 und 322 Tonnen Dentalquecksilber verwendet. Zahnärztliches Quecksilber gelangt über viele ungesunde Wege in die Umwelt und verschmutzt (1) die Luft durch Einäscherung, Emissionen von Zahnkliniken und Schlammverbrennung, (2) das Wasser durch Freisetzungen von Zahnkliniken und menschlichen Abfällen und (3) den Boden durch Mülldeponien, Beerdigungen und Düngemittel. Infolgedessen ist die Bevölkerung einer doppelten Dosis Quecksilber aus Amalgam ausgesetzt: erstens, wenn es in ihre Zähne implantiert wird, und zweitens, wenn es die Umwelt und den Fisch, den sie isst, kontaminiert.
  2. Quecksilberfreie Alternativen sind verfügbar, wirksam und erschwinglich: Studien zeigen, dass quecksilberfreie Kompositfüllungen genauso lange wie Amalgam – und sogar länger – halten können. Quecksilberfreie Füllungen bieten außerdem sowohl gesundheitliche als auch kostensparende Vorteile gegenüber Amalgam. Erstens bewahren quecksilberfreie Füllungen die Zahnstruktur deutlich mehr als Amalgam, was die Langlebigkeit des Zahns selbst erhöhen kann. Zweitens können quecksilberfreie Füllungen dazu beitragen, künftige Karies zu verhindern. Drittens kann Komposit einfacher repariert werden als Amalgam. Außerdem entfallen bei quecksilberfreien Alternativen die hohen Umweltkosten von Amalgam (Studien zeigen, dass Amalgam nach Berücksichtigung der Umweltkosten teurer ist als Komposit).
  3. Entwicklungsländer sollten keine Müllhalde für giftige Produkte sein: Die Unternehmen, die Amalgam in Entwicklungsländer exportieren, übernehmen keine Verantwortung für den Verbleib des Quecksilbers – und die Lösung dieses toxischen Problems ist für die Länder selbst teuer und unpraktisch. Abscheider reichen nicht aus, um zu verhindern, dass das Quecksilber aus Amalgam in die Umwelt gelangt. Selbst wenn sie wirksam wären, verfügen viele Entwicklungsländer nicht über die Infrastruktur, um Quecksilberabfälle, die in Abscheidern gesammelt werden, zu sammeln, zu transportieren und zu lagern. Auch verfügen sie nicht über die Mittel und Ressourcen, um die Anforderungen an Abscheider durchzusetzen.

Aus diesen Gründen machen Länder auf der ganzen Welt – einschließlich der EU-Mitgliedstaaten – bereits erhebliche Fortschritte bei der schrittweisen Abschaffung der Verwendung von Amalgam. So haben beispielsweise Aserbaidschan, Armenien, Dänemark, Estland, Finnland, Georgien, Indonesien, Irland, Italien, Japan, Kasachstan, Kroatien, Litauen, Luxemburg, Moldawien, die Mongolei, Nepal, die Niederlande, Norwegen, die Philippinen, Polen, Russland, Schweden, die Schweiz, die Slowakei, Slowenien, Spanien, St. Kitts und Nevis, die Tschechische Republik und Surinam die Verwendung von Amalgam schrittweise eingestellt, Pläne zur Einstellung der Verwendung von Amalgam angekündigt oder verwenden nur noch minimale Mengen von Amalgam.

Auf  Nachfrage hin hat die Kommission erklärt, den Amalgam-Ausstieg auch zum 1. Juli bzw. 31. Dezember 2025 zu untersuchen.

Weitere Informationen:

👉 Öffentliche EU-Konsultation: 91% für die Abschaffung von Dentalamalgam

👉 Amalgam-Hersteller geben auf: Anforderung an neue EU-Zulassung zu hoch

👉 EnvMed Bericht: European Plans to Reduce and Eliminate Dental Amalgam Use

👉 Öffentliche EU-Konsultation Have Your Say: EnvMed fordert Amalgam-Ausstieg 2025

👉 Brief an die Europäische Kommission: Veronica Manfredi  

 

Polen: Aus für Amalgam im öffentlichen Gesundheitssystem umgesetzt

Am 10. Oktober 2022 wurden in Polen Amalgamfüllungen aus den Leistungen der Gesetzlichen Krankenversorgung durch Glasionomerzemente ersetzt, womit Polen effektiv aus der Verwendung von Amalgam ausgestiegen.

Polnische Zahnärzte atmen auf, denn es wird geschätzt, dass die Quecksilberkonzentration im Urin von Mitarbeitern, die in der Zahnarztpraxis mit dem Patienten arbeiten, zwischen 3 und 22 μg/l liegt. Die höchsten Konzentrationen wurden bei Personen festgestellt, die direkt mit der Vorbereitung, Anwendung und Entfernung von Amalgam zu tun haben. Bei der allgemeinen Bevölkerung liegt die Quecksilberkonzentration im Urin zwischen 1 und 5 μg / l.

Anstelle von Amalgam haben Patienten seit Oktober 2022 Anspruch auf eine zuzahlungsfreie Grundversorgung mit

  • Glasionomerzement,
  • Glasionomerzement mit höherer Dichte oder
  • harzverstärktem Glasionomerzement

Außerdem ist eine neue Position für die Erstattung der Entfernung von Amalgamfüllungen eingeführt worden.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums wird die neue Regelung zu einer Erhöhung der Kosten für erbrachte Leistungen um 21 Mio. PLN (ca.4,5 Mio. €) führen.

Die Entscheidung zum Amalgam-Ausstieg wurde von der polnischen Zahnärztekammer unterstützt, die aber eine weitere Aufstockung der Leistungen fordert. Experten des Bewertungsausschusses für ärztliche Leistungen (Agentur für Gesundheitstechnologiebewertung und Tarifsystem) hatten erklärt, dass Amalgam eine Gefahr für die menschliche Gesundheit und die Umwelt darstellt.

Vorangegangen war die Veröffentlichung der „Breslauer Erklärung“ im September 2021, die gemeinsam mit der IG Umwelt-Zahnmedizin ausgearbeitet wurde und mit der Zivilgesellschaften das Gesundheitsministerium zum Amalgam-Ausstieg aufgefordert hatten.

👉 Amendment of the regulation on guaranteed benefits in the field of dental treatment, 25 August 2022

WHO: Öffentliche Konsultation zum Entwurf des globalen Aktionsplans für Mundgesundheit

Am 12. August 2022 hat die WHO einen vorläufigen Aktionsplans für die Verbesserung der Mundgesundheit bis 2030 veröffentlicht und eine öffentliche Konsultation gestartet. Bis zum 16. September 2022 konnten Mitgliedstaaten, UN-Organisationen und nichtstaatliche Akteure (Nichtregierungsorganisationen, privatwirtschaftliche Einrichtungen, philanthropische Stiftungen und akademische Einrichtungen) sich einbringen. 

Hintergrund:

Die Weltgesundheitsorganisation hat auf der World Health Assembly 75 eine globale Strategie für Mundgesundheit verabschiedet, die als Grundlage für die Entwicklung eines Aktionsplans für Mundgesundheit dient. Der Aktionsplan soll den Rahmen für Maßnahmen mit klaren, messbaren Zielen bis 2030 stecken.

Unter anderem sieht die WHO Maßnahmen zum Übergang von maximal invasiver und umweltschädlicher Verwendung von Amalgam zu minimalinvasiver, quecksilberfreier Zahnmedizin vor.

Das Europäische Netzwerk für Umweltmedizin (EnvMed) hat diesbezüglich einen Beitrag eingereicht und darauf hingewiesen, dass die genannten Maßnahmen  nicht ambitioniert genug sind und die Entscheidung der COP4 zum Schutz von Kindern noch berücksichtigt werden müsse.

Im Vorfeld der vierten Konferenz der Vertragsparteien im März 2022 hatte die WHO noch mit einem Bericht über die Vorteile minimalinvasiver Zahnmedizin zur Annahme der Kinder-Schutz Klausel entscheidend beigetragen. Mit der Klausel wird gefordert, dass alle Vertragsparteien auf eine quecksilberfreie Zahnbehandlung für Kinder unter 15 Jahren sowie für schwangere und stillende Frauen hinarbeiten müssen.

Weitere Informationen:

👉 EnvMed Comment on WHO Discussion Paper: Draft Global Oral Health Action Plan (2023-2030)

👉 Prevention and treatment of dental caries with mercury-free products and minimal intervention: WHO 2022

👉 WHO Discussion Paper (Version dated 12 August 2022) Draft Global Oral Health Action Plan (20232030)

👉 Global Strategy on Oral Health adopted at World Health Assembly 75

👉 EnvMed Comment on the WHO Draft Global Strategy on Oral Health by 2030

EU Umfrageergebnis: 91% für Abschaffung von Dentalamalgam

Die Kommission veröffentlicht die Ergebnisse ihrer Konsultation (vom 08. Februar 2022 – 03. Mai 2022) auf dem Have your Say – Portal.

EU-Bürger, Zahnärzte, Hersteller, Händler, nationale Behörden/Gesundheitsorganisationen, Sozialversicherungsträger und private Krankenversicherungen sind fast einstimmig der Meinung (zu 91 %), dass Zahnamalgam verboten werden soll. 95 % der Öffentlichkeit würde sich bereits für ein quecksilberfreies Material entscheiden, und 74 % sagen, dass sie bereit sind, mehr für die Verwendung quecksilberfreier Materialien zu bezahlen.

Die Konsultation stand allen interessierten Akteuren in der EU (und nicht EU) offen, war jedoch besonders auf Rückmeldungen von Behörden, Unternehmen und Wirtschaftsverbänden, Bürgern und der Zivilgesellschaft (Hochschulen/Forschungseinrichtungen, Umweltorganisationen, Verbraucherorganisationen und Gewerkschaften) ausgerichtet. Auch Einzelpersonen konnten den Fragebogen beantworten; Organisation und Institution wurden zudem aufgefordert, Positionspapiere hochzuladen.

Die Umfrage wurde im Rahmen einer Folgenabschätzung für die Überarbeitung der EU-Quecksilberverordnung durchgeführt, die unter anderem einen EU-weiten Ausstieg aus der Verwendung von Zahnamalgam bis 2030 oder früher bewerten sollte.

Die Überarbeitung der EU-Quecksilberverordnung wurde fällig, nachdem die Kommission im August 2020 die Möglichkeit in einem Bericht zu dem Schluss kam, dass der schrittweise Ausstieg aus Zahnamalgam sowohl technisch als auch wirtschaftlich machbar ist, und ankündigte, bis Ende 2022 einen Legislativvorschlag vorzulegen.

Es wird erwartet, dass die aktuelle Folgenabschätzung bis September 2022 abgeschlossen sein wird.

Hier sind unsere 👉  Antworten zur EU-Umfrage und die eingereichten Positionspapiere:

👉 EU-Konsultation Have Your Say: EnvMed fordert Amalgam-Ausstieg 2025

👉 EnvMed Bericht: European Plans to Reduce and Eliminate Dental Amalgam Use

Weitere Informationen:

Offizieller Kurzbericht 👉 Factual Summary Report on the Public Consultation for the Review of the Mercury Regulation

Weblink: https://ec.europa.eu/info/law/better-regulation/have-your-say/initiatives/12924-Mercury-review-of-EU-law/public-consultation_en

EnvMed Bericht: Fortschritte beim Amalgam-Ausstieg in Europa

Die EU und das Minamata-Übereinkommen der Vereinten Nationen über Quecksilber sind bestrebt, die Verwendung von Zahnamalgam schrittweise einzustellen, da Bewertungen zu dem Schluss gekommen sind, dass die Verwendung von Amalgam erhebliche Umwelt- und Gesundheitsrisiken birgt und dass ein Ausstieg sowohl technisch als auch wirtschaftlich machbar ist. Um letzte Fragen auszuräumen, ist ein Überblick über Länder, die bereits Maßnahmen gegen die Verwendung von Amalgam ergriffen haben, besonders wertvoll.

Das Europäische Netzwerk für Umweltmedizin hat Informationen über nationale Regelungen in Europa zusammengetragen und die Gesetzgebung, Sanktionen, öffentliche Versicherungssysteme oder Empfehlungen von mehr als 40 Ländern analysiert. Diese Informationen sind jetzt in dem Bericht „European Plans to Reduce and Eliminate Dental Amalgam Use“ veröffentlicht.

So haben beispielsweise Schweden, Norwegen und die Republik Moldau die Verwendung von Dentalamalgam ausnahmslos verboten, und mehrere ehemalige Sowjetstaaten haben offiziell erklärt, dass in ihrem Land überhaupt kein Dentalamalgam verwendet wird. Dänemark, Litauen, die Schweiz und Liechtenstein haben die Verwendung mit begrenzten Ausnahmen verboten, und in Estland, Finnland, Luxemburg, den Niederlanden und Spanien liegt die Verwendung bereits unter 1 %. In Polen werden Quecksilberfüllungen aus den garantierten Leistungen gestrichen, so dass Zahnamalgam im Jahr 2022 schrittweise aus dem Verkehr gezogen wird.

Weitere EU-Länder haben nationale Pläne zur schrittweisen Abschaffung von Zahnamalgam aufgestellt, und einige Nicht-EU-Länder sind dem Beispiel der EU gefolgt und haben in einem ersten Schritt die Verwendung von Zahnamalgam für Kinder, schwangere und stillende Frauen abgeschafft.

In den Leitlinien heißt es, dass Zahnamalgam nicht verwendet werden sollte, wenn Anzeichen für eine Allergie gegen einen der Bestandteile bestehen, bei Patienten mit schwerer Niereninsuffizienz oder fortschreitenden degenerativen Erkrankungen des peripheren oder zentralen Nervensystems. Es sollte nicht in der Nähe von Edelmetalllegierungen, vergoldeten Messingankern oder anderen Metallrestaurationen oder bei Patienten mit metallischen Prothesengerüsten verwendet werden, und es wird davor gewarnt, mit Amalgam gefüllte Zähne zu bleichen. 

Für eine ordnungsgemäße Anwendung sollte ein geeigneter Pulpaschutz unter die Füllung gelegt werden, das Eindringen von Feuchtigkeit beim Mischen und Kondensieren sollte vermieden werden, da dies zu einer verstärkten Ausdehnung und Korrosion der Füllung führen kann (wenn die Legierung mehr als 0,01 % Zink enthält), und Amalgamfüllungen sollten poliert werden, da dies zu einer Verkleinerung der Oberfläche führt und somit die Korrosion verringert. Die Politur sollte frühestens nach 24 Stunden durchgeführt werden, wenn die Amalgamfüllung ausgehärtet ist.

Für die Entfernung von Zahnamalgam und für die Sicherheit des zahnärztlichen Personals werden weitere Sicherheitsanforderungen aufgestellt, die zeigen, wie gefährlich die Arbeit mit diesem Material ist. Es ist sehr schwierig zu sagen, wie viel Amalgam heute noch in Europa verwendet wird, da keine zuverlässigen Daten vorliegen. Sicher ist jedoch, dass die Verwendung von Amalgam schrittweise eingestellt werden kann und sollte.

Laden Sie den vollständigen Bericht herunter: