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Quecksilberemission im Koalitionsvertrag

„Kohle-Kraftwerke müssen die Anforderungen der strikteren Emissionsbandbreiten nach dem Stand der Besten Verfügbaren Technik zu Großfeuerungsanlagen einhalten.“
„Amalgam in Deutschland zu einem konkreten Zeitpunkt, aber vorzugsweise ab 2020, generell verbieten.“

 

 

Bonner Amalgam-Erklärung • Quecksilber in aller Munde

Über 50 NGOs und wissenschaftliche Expert*innen haben eine Erklärung unterstützt, die von der jetzigen sowie kommenden Bundesregierung einen Beschluss zum Amalgam-Ausstieg bis spätestens 2025 fordert. Bei den großen Parteien wurde dementsprechend eine Anfrage zur Stellungnahme im Wahlkampf eingereicht.

Am Tag des Inkrafttretens der EU Medizinprodukte-Verordnung, am 26. Mai, wurde die Forderung veröffentlicht und darauf hingewiesen, dass auch diese nicht sicherstellt, dass keine Amalgamfüllungen mehr zugelassen werden. Zwar gelten jetzt deutlich schärfere Anforderungen, doch ist nicht auszuschließen, dass Amalgamfüllungen eine Sonderzulassung bekommen. Alte Zertifikate bleiben auch noch bis spätestens zum 26. Mai 2025 gültig.

Mit der Bonner Amalgam-Erklärung wird daher ein Beschluss der Bundesregierung gefordert und darauf hingewiesen, dass Amalgamfüllungen nicht nur ein direktes Gesundheitsrisiko bergen, sondern erheblich zur Umweltverschmutzung mit Quecksilber beitragen. In der Umwelt sind die Konzentrationen seit der industriellen Entwicklung stark angestiegen und zu einem globalen Problem geworden.

Der Beschluss eines Amalgam-Ausstiegs ist nicht nur in Deutschland überfällig, sondern hätte auch international große Tragweite. Eine steigende Zahl von Ländern hofft auf die deutsche Unterstützung bei europäischen und globalen Abkommen. (Überblick: Europa)

So möchte zum Beispiel die geschlossene afrikanische Region die Herstellung und Einfuhr von Amalgam auf der nächsten Konferenz der Minamata-Konvention (2022) stoppen, weil es gerade in Entwicklungsländern keine Infrastruktur für die sichere Entsorgung des Sondermülls gibt und schon ausreichend Alternativen zur Verfügung stehen.

Auch die Europäische Kommission will im Zuge des Green Deals und der Chemikalienstrategie aus der Verwendung von Quecksilber in der Zahnmedizin aussteigen und arbeitet an einem Gesetzgebungsvorschlag, der 2022 präsentiert werden soll.

Deutschland wäre dabei nicht einmal Vorreiter: Italien hat gerade erst angekündigt, bis zum 31.12.2024 aus der Verwendung auszusteigen und in Schweden und Norwegen ist Amalgam seit über 10 Jahren, in der Republik Moldau seit 2020, verboten.

Andere europäische Länder (wie Finland, Ireland, die Slowakei, Tschechien, Kroatien oder Ungarn) haben beschlossen, die Bezuschussung des öffentlichen Gesundheitssystem auf Alternativen umzustellen, wodurch sie einen Rückgang der Amalgamverwendung auf ein Minimum erwarten.

So fordert auch die Bonner Amalgam-Erklärung ausdrücklich eine Anpassung der zuzahlungsfreien Standardversorgung der GKVen, sodass auch Patienten mit geringen Einkommen mit alternativen Materialien versorgt werden können. Gerade Geringverdiener haben häufiger Vorerkrankungen, wodurch Amalgamfüllungen zu einem zusätzlichen Gesundheitsisiko werden.

Ein Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über das Aus der „Braunkohle der Zahnmedizin“ hat eine breite Diskussion in der Medienlandschaft ausgelöst.

Hier geht’s zur gemeinsamen Webseite der Erklärung: https://www.ig-umwelt-zahnmedizin.de/bonner-amalgam-erklaerung/

©Annika Fußwinkel

Hier geht’s zur Pressemitteilung.

UN Minamata Konvention über Quecksilber

Aufgrund der anhaltenden COVID-19-Pandemie wird die vierte Konferenz der Vertragsparteien der Minamata-Konvention über Quecksilber (die COP4) in zwei Teilen stattfinden: ein erster Online-Teil im Zeitraum vom 1. bis 5. November 2021 und ein zweiter Präsenz-Teil  im ersten Quartal 2022 in Bali, Indonesien. Ein wichtiger Diskussionspunkt wird die Verringerung der Verwendung von Amalgamfüllungen sein, zu dem sowohl die Europäische Union, als auch die Afrikanische Region einen Vorschlag eingereicht haben. Die Europäische Union setzt sich dafür ein, dass die in Europa bereits bestehenden Maßnahmen in den internationalen Vertrag aufgenommen werden sollen:

Bis zum 1. Januar 2024 sorgen die Vertragsparteien dafür,

  1. dass Dentalamalgam nur noch in vordosierter, verkapselter Form verwendet wird;
  2. dass die Verwendung von Quecksilber in loser Form durch Zahnärzte verboten wird;
  3. dass Betreiber zahnmedizinischer Einrichtungen, in denen Dentalamalgam verwendet wird oder Dentalamalgamfüllungen oder solche Füllungen enthaltende Zähne entfernt werden, ihre Einrichtungen mit Amalgamabscheidern mit einer Abscheideleistung von 95%2zur Rückhaltung und Sammlung von Amalgampartikeln, auch von im Abwasser enthaltenen Partikeln, ausstatten;
  4. dass die Verwendung von Dentalamalgam für die zahnärztliche Behandlung von Milchzähnen, von Kindern unter 15 Jahren und von Schwangeren oder Stillenden nicht mehr zugelassen ist, es sei denn, der Zahnarzt erachtet eine solche Behandlung wegen der spezifischen medizinischen Erfordernisse bei dem jeweiligen Patienten als zwingendnotwendig.

Der Afrikanische Vorschlag sieht hingegen einen generellen Ausstieg bis 2029 in vier Schritten vor. (Die Einführung  einer Amalgamabscheiderpflicht ist in den meisten Entwicklungsländern wirtschaftlich nicht umsetzbar für einen generellen Ausstieg der Verwendung von Amalgam stehen hingegen ausreichend Alternativen zur Verfügung.)

  1. Bis zum 1. Januar 2023 gibt jede Vertragspartei eine Mitteilung heraus, in der sie empfiehlt, bei Kindern und Frauen im gebärfähigen Alter nur quecksilberfreie Zahnfüllmaterialien zu verwenden.
  2. Bis zum 1. Januar 2025 legt jede Vertragspartei einen nationalen Plan mit den Maßnahmen vor, die sie zur schrittweisen Einstellung der Verwendung von Zahnamalgam durchzuführen beabsichtigt. Die Vertragsparteien machen ihre nationalen Pläne im Internet öffentlich zugänglich und übermitteln sie dem Sekretariat.
  3. Bis zum 1. Januar 2027 wird die Herstellung und Einfuhr von Amalgam eingestellt. Um Ausnahmen zu berücksichtigen und den Übergang zur quecksilberfreien Zahnmedizin zu ermöglichen, können die Vertragsparteien den Verkauf im Inland noch zwei Jahre lang zulassen.
  4. Bis zum 1. Januar 2029 wird der inländische Verkauf von Amalgam innerhalb der Länder, wie in Punkt 3 oben festgelegt, ebenfalls eingestellt.

 

Minamata Konvention: Afrikanische Region fordert Amalgam-Verbot ab 2027

Die Afrikanische Region hat beim Sekretariat der Minamata Konvention erneut einen Antrag zur Aufnahme eines generellen Amalgam-Verbots eingereicht. Der Vorschlag sieht einen Ausstieg in vier Schritten vor und soll auf der nächsten Konferenz der Parteien (Anfang 2022 in Bali) diskutiert werden. Afrika strebt an, die Verwendung von Amalgam zu überspringen, denn afrikanische Länder können die quecksilberhaltigen Abfälle nicht kontrollieren und bevorzugen moderne, minimalinvasive Füllungstechniken. Die zahnärztliche Versorgung beginnt sich gerade stark zu entwickeln und in manchen Gegenden hat sich die Anzahl der Zahnärzte in wenigen Jahren verdoppelt! –In einem Bericht von 2020 haben afrikanische Zahnärzte eindrücklich erklärt, warum man die Verwendung von Amalgam überspringen möchte und welche Techniken bevorzugt werden.– Tansania hat daher im Januar 2020 schon beschlossen, die Verwendung von Amalgam-Füllungen ab 2023 für alle Kinder und Frauen im gebärfähigen Alter zu verbieten. Der Afrikanische Antrag zum Amalgam-Ausstieg sieht nun folgende Schritte vor:

  1. Bis zum 1. Januar 2023 gibt jede Vertragspartei eine Empfehlung heraus, dass bei Kindern und Frauen im gebärfähigen Alter nur quecksilberfreie Füllungsmaterialien verwendet werden sollen.
  2. Bis zum 1. Januar 2025 legt jede Vertragspartei einen nationalen Plan mit Maßnahmen vor, die sie zur schrittweisen Einstellung der Verwendung von Zahnamalgam durchzuführen beabsichtigt. Die Vertragsparteien machen ihre nationalen Pläne im Internet öffentlich zugänglich und übermitteln sie dem Sekretariat.
  3. Bis zum 1. Januar 2027 wird die Herstellung und Einfuhr von Amalgam eingestellt. Um Ausnahmen zu berücksichtigen und den Übergang zur quecksilberfreien Zahnmedizin zu ermöglichen, können die Vertragsparteien den Verkauf im Inland noch zwei Jahre lang zulassen.
  4. Bis zum 1. Januar 2029 wird der inländische Verkauf von Amalgam innerhalb der Länder, wie in Punkt 3 oben festgelegt, ebenfalls eingestellt.

Auch die Europäische Union hat einen Antrag zur Regulierung der Verwendung von Amalgam ab dem 1. Januar 2024 eingereicht. Die Forderungen entsprechen den Maßnahmen, die in Europa bereits umgesetzt sind und werden den Afrikanern wohl nicht weitgenug gehen. Insbesondere ist die Einführung einer Amalgamabscheiderpflicht in den meisten Entwicklungsländern wirtschaftlich nicht umsetzbar.

EU Kommission beginnt Gesetzgebungsverfaren: NGOs fordern Amalgam-Ausstieg 2025

Im Zuge der Überarbeitung der EU Quecksilberverordnung hat die Europäische Kommission zu einer ersten Stellungnahmen aufgerufen. Es wurde angekündigt, dass die Verordnung nicht nur für Amalgamfüllungen, sondern auch für andere quecksilberhaltige Produkte überarbeitet wird und ein Zeitplan vorgelegt. Etwa 30 Organisationen, Wissenschaftler und Zahnärzte haben diese Gelegenheit genutzt und Kommentare zum Amalgam-Ausstieg eingereicht.

Erst im August 2020 hatte die Europäische Kommission angekündigt, dem Europäischen Parlament und dem Rat im Jahr 2022 einen Legislativvorschlag vorzulegen. Eine Studie hatte ergeben, dass die schrittweise Einstellung der größten verbleibenden Verwendung von Quecksilber in der EU, technisch und wirtschaftlich vor 2030 machbar ist.

Auf der Grundlage des Berichts und der Machbarkeitsstudie veröffentlichte die Kommission am 05. März eine anfängliche Folgenabschätzung (IIA) auf dem „Have Your Say„-Portal.

Das European Center for Enviromental Medicine und die IG Umwelt Zahn-Medizin haben gemeinsam mit zahlreichen Partnern die Kommission zu einem Gesetzgebungsvorschlag mit einem Ausstieg bis spätestens 2025 aufgefordert.

Hier finden sie die eingereichten Argumentationen für den Ausstieg:

European Environmental Bureau (Belgium)
EurEau – European Federation of Water Services (Belgium)
European Center for Enviromental Medicine (Germany)
World Alliance for Mercury-Free Dentistry — Secretariat (United States)
International Academy of Oral Medicine and Toxicology (IAOMT)
World Alliance for Mercury Free Dentistry (United Kingdom)
WECF, Women Engage for a Common Future (Germany)
Health Care Without Harm (HCWH) Europe 
Tandvårdsskadeförbundet (Sweden)
ecologistas en acción (Spain)
EKO-UNIA (Poland)
Environmental Ambassadors for Sustainable Development (Serbia)
ZERO – Association for the Sustainability of the Earth System (Portugal)
IG Umwelt Zahn-Medizin (Germany)
Lars Hylander (Sweden)
Ulf Bengtsson (Sweden)
Sergio Formentelli, Dentist (Italy)
Katrin Marienburg, Zahnärztin (Germany)
Norbert Guggenbichler, Zahnarzt (Germany)

für Eindämmung von Quecksilberemission allgemein:

The European Chemical Society (EuChems)
Hazardous Waste Europe (France)

Hier finden Sie die eingereichten Argumentationen gegen den Ausstieg:

Council of European Dentists (CED)
Bundeszahnärztekammer – Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (Germany)
Deutsche Sozialversicherung Europavertretung (Germany)
Ordre National des Chirurgiens-Dentistes / ONCD (France)
British Dental Association (United Kingdom)
Anonym, Dentist (Spain)
Dr Candria Francesco, Dentist (Italy)
Dr Paolo Nardini odontoiatra, Dentist (Italy)
Dott. Attilio Menduni De Rossi, Dentist (Italy)
Anonym, Dentist (Italy)

 

Überblick: Maßnahmen zum Amalgam-Ausstieg in Europa

Einige europäische Länder wie Schweden oder Dänemark haben Dentalamalgam bereits verboten oder dessen Verwendung stark reguliert, weitere Länder haben seit 2019 Maßnahmen zur Reduzierung der Verwendung durch nationale Aktionspläne verabschiedet. Gemäß der europäischen Quecksilberverordnung EU 2017/852 musste jeder Mitgliedsstaat bis zum 1. Juli 2019 einen nationalen Aktionsplan vorlegen, um die Verwendung von Dentalamalgam weiter zu reduzieren und vorzugsweise bis 2030 auslaufen zu lassen. Bis heute wurden 21 von 27 nationalen Plänen eingereicht, lediglich die Pläne von Polen, Griechenland, Malta und Slowenien* fehlen noch. Bislang sahen die EU-Vorgaben ab dem 1. Juli 2017 vor, dass Amalgam nicht mehr für die Behandlung von Milchzähnen, Kindern unter 15 Jahren und schwangeren sowie stillenden Frauen verwendet werden darf, es sei denn, der Zahnarzt hält es aufgrund der spezifischen medizinischen Bedürfnisse des Patienten für unbedingt erforderlich. Bei jeder zusätzlich angefertigten Amalgamfüllung wird Quecksilber an die Umwelt abgegeben. Dies ist unerwünscht und wird die erhebliche Umweltbelastung verlängern.

Die weitreichendsten Maßnahmen in Europa

Europäische Union

1. Schweden (derzeitige Verwendung von Amalgam: 0%)

  • Seit 1999 werden keine Amalgamfüllungen mehr von gesetztlichen Krankenkassen erstattet.
  • 2009 wurde die Verwendung von Dentalamalgam mit folgenden Ausnahmen verboten: 1) unter besonderen medizinischen Bedingungen 2) wenn andere Füllungsmaterialien nicht verwendet werden können oder keine adäquate Versorgung bieten
  •  Schweden hat die Ausnahmen am 31. Dezember 2011 zurückgenommen

2. Dänemark (die Verwendung von Amalgam ist von 2007 bis 2017 von 22 % auf 1,7 % zurückgegangen)

  • Seit 1995 ist die Verwendung von Dentalamalgam als Füllungsmaterial in bleibenden Backenzähnen nur noch in folgenden Ausnahmen erlaubt: 1) keine Trockenlegung möglich 2) schwierige Zugänglichkeit der Kavität 3) besonders große Kavität 4) großer Abstand zum Nachbarzahn

3. Finnland (derzeitige Verwendung von Amalgam: < 1 %)

  • Langfristiges Ziel ist der vollständige Amalgam-Ausstieg bis 2030.
  • Kurzfristige Ziele: Reduzierung der Amalgamverwendung um mindestens 25 % bis 2022; 50 % bis 2025 und 75 % bis 2028.
  • Da die Verwendung von Amalgam durch das öffentliche Finanzierungsmodell gefördert wird, soll das Modell in den kommenden Jahren überprüft und unter diesem Gesichtspunkt erneuert werden.

4. Irland (derzeitige Verwendung von Amalgam: 20%)

  • Irland unterstützt einen schrittweisen Abbau bis zum Ausstieg/Verbot von Amalgam in allen Altersgruppen bis 2030.
  • Die Verwendung von Amalgam wird nur in klinischen Ausnahmefällen erlaubt sein und der Bedarf an klinischen Ausnahmen soll regelmäßig überprüft werden.
  • Das öffentliche Erstattungssystem wird überarbeitet, um quecksilberfreie Alternativen für berechtigte Personen in allen Altersgruppen zu fördern.

5. Slowakei (derzeitige Verwendung von Amalgam: 30%)

  • Die Slowakei hat ein vollständiges Verbot von Amalgam ab dem 1. Januar 2031 im nationalen Gesetz Nr. 578/2004 Slg. verankert. Die zuständige regionale Behörde kann Zahnärzten bei Missachtung eine Geldstrafe von bis zu EUR 3.919,- auferlegen.
  • In den nächsten Jahren ist eine Anpassung der öffentlichen Bezuschusses von alternativen Füllungen geplant.
  • Glasionomerzemente, die von allen Krankenkassen für die gesamte Bevölkerung voll erstattet werden, sind als Standardmaterial für Füllungen anerkannt.

6. Tschechische Republik (Verwendung von Amalgam: 92 % im Jahr 2012)

  • Der NAP sieht vor, dass bis 2030 die Verwendung von Dentalamalgam nur noch 1% der Gesamtzahl der Restaurationen ausmachen soll.
  • Spätestens 2025 soll eine einheitliche, materialunabhängige Vergütung von Zahnfüllungen durch die gesetzlichen Krankenkassen möglich sein.
  • Ab 2030 werden Amalgamfüllungen nur noch in Ausnahmefällen erstattet, wenn keine Alternativen zur Verfügung stehen und der Patient eine Amalgamfüllung wünscht.

7. Kroatien (Plan bis 2025, derzeitige Verwendung >30%)

  • Seit dem 24. Februar 2020 sind alternative Füllungen für Kinder bis zum 18. Lebensjahr sowie für schwangere und stillende Frauen in der gesetzlichen Krankenversicherung Standard.
  • Bis zum 31.12.2025 wird der Anspruch auf die volle Erstattung alternativer Füllungen auf alle Versicherten ausgeweitet, was den Einsatz von Amalgam auf ein Minimum reduzieren wird.

8. Italien (derzeitige Verwendung: <2,2%)

  • Italien hat einen nationalen Plan vorgelegt, in dem Maßnahmen zur schrittweisen Verringerung der Verwendung von Amalgam in der Zahnmedizin beschrieben werden, um das Ziel des vollständigen Ausstiegs (Phase Out) bis zum 31. Dezember 2024 zu erreichen.

9. Spanien (derzeitige Verwendung: 1%)

  • Schrittweise Reduzierung der Verwendung von Dentalamalgam bis zur vollständigen Eliminierung 2030.
  • Plan zur Reduzierung des Einsatzes von Dentalamalgam durch Beschränkung der Verwendung auf spezielle medizinische Bedürfnisse
  •  Plan zur Einrichtung von exklusiven Gesundheitszentren, die autorisiert sind, Zahnfüllungen aus Amalgam zu legen, zu reparieren oder zu entfernen

10. Portugal (Verwendung von Amalgam: 26 % im Jahr 2012)

  • Die portugiesische Regierung hat sich verpflichtet, die Verwendung von Dentalamalgam schrittweise zu reduzieren und durch quecksilberfreie Materialien zu ersetzen. Zahnrestaurationen mit Amalgam sollen auf NHS-Gesundheitseinheiten (im Rahmen der primären Gesundheitsversorgung und der Krankenhausversorgung) und auf ordnungsgemäß begründeten Fälle beschränkt werden.
  •  Ab 2021, wann immer die Notwendigkeit einer Amalgamfüllung gerechtfertigt ist, müssen Patienten über die Behandlungsmethode aufgeklärt werden und ihr Einverständnis geben.

11. Zypern (Verwendung von Amalgam: 30 % im Jahr 2012)

  • Ab dem 1. Januar 2025 ist die Verwendung von Dentalamalgam bei Personen unter 18 Jahren verboten, es sei denn, der Zahnarzt hält es aufgrund besonderer medizinischer Bedürfnisse des Patienten für unbedingt erforderlich.
  •  Bis zum 1. Januar 2025 prüft Zypern die Möglichkeit, die Verwendung von Zahnamalgam in der gesamten Bevölkerung zu verbieten, es sei denn, der Zahnarzt hält es aufgrund spezifischer medizinischer Bedürfnisse des Patienten für absolut notwendig.

12. Ungarn (derzeitige Verwendung: 4%)

  • Ziel ist es, die Verwendung bis 2030 auf unter 1% zu senken,
  • die staatlichen Erstattungsregelungen anzupassen und
  • quecksilberfreie Alternativen zum bevorzugten Material für neue Füllungen zu machen

13. Niederlande (derzeitige Verwendung: 0,55 %)

  • Sollte die Verwendung von Amalgam auf über 1% ansteigt, werden die Niederlande Maßnahmen evaluieren, wie die Verwendung wieder reduziert werden kann.
  • An den zahnmedizinischen Fakultäten wird seit 1997 keine Verwendung von Amalgam mehr unterrichtet.

14. Österreich (Verwendung von Amalgam: 37 % im Jahr 2012)

  • Seit 1995 ist Amalgam bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion oder progressiver degenerativer Erkrankung des peripheren oder zentralen Nervensystems nicht indiziert.
  • Zahnamalgam darf nicht verwendet werden • für retrograde Wurzelfüllungen • als Material für Stumpfaufbauten unter Kronen oder Brücken; • als Verschlussmaterial für gegossene Kronen.

15. Deutschland (vorläufiger Plan, derzeitige Verwendung von Amalgam: < 10%)

  • Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, darauf hinzuwirken, den Einsatz von Amalgam in der zahnärztlichen Behandlung weiter zu reduzieren und auf unverzichtbare Sonderfälle zu beschränken.
  • Der vorläufige Nationale Plan konzentriert sich auf die Förderung von Kariesprävention und die Erhebung von Daten über die tatsächliche Verwendung von Dentalamalgam. Er soll in den Folgejahren periodisch aktualisiert werden.
  • Seit dem 01. Januar 2021 müssen Zahnärzte die Verwendung von Amalgamfüllungen bei der Abrechnung mit gesetzlichen Krankenkassen angeben.

16. Luxemburg (Verwendung von Amalgam: 26 % im Jahr 2012)

  • Die Gesundheitsdirektion hat einen nationalen Plan erstellt, dessen Ziele die lebenslange Vorbeugung von Zahnkaries, der einfache Zugang zu Behandlungen mit quecksilberfreien Materialien, eine objektive Kommunikation über Risiken und Alternativen zur Reduzierung der Verwendung von Zahnamalgam und ein professionelles Management von Amalgamabfällen zur Vermeidung von Umweltverschmutzung sind.

17. Estland (vorläufiger Plan 2019-2023, Verwendung von Amalgam: 1%)

18. Lettland (vorläufiger Plan 2019-2020)

  • Informationen über die Verwendung von Amalgam bei Erwachsenen sind derzeit nicht verfügbar. Solche Daten sollen mit der Einführung eines von Zahnärzten entwickelten Informationssystems für den Zeitraum 2020-2021 gesammelt werden.
  •  Das „Verfahren für die Organisation und Bezahlung von Gesundheitsleistungen“ (28. August 2018) sichert den Zugang zu staatlich finanzierten zahnärztlichen Leistungen (einschließlich der Nutzung von Alternativen) für Kinder unter 18 Jahren.

19. Litauen (vorläufiger Plan, Verwendung von Amalgam: 57 % im Jahr 2012)

  • Zahnmedizinstudenten an litauischen Universitäten werden lediglich theorethisch in die Verwendung von Amalgam eingeführt, aber seit 2008 nicht mehr praktisch darin unterrichtet.
  • Die derzeit umgesetzten Maßnahmen zur Verringerung der Verwendung von Amalgam sollen jedes Kalenderjahr anhand verschiedener Kriterien evaluiert werden. Bis zum 1. Februar eines jeden Jahres legen die Behörden und Einrichtungen, die den Aktionsplan umsetzen, dem Nationalen Zentrum für öffentliche Gesundheit des Gesundheitsministeriums einen Bericht über die Umsetzung der Maßnahmen des vergangenen Jahres vor.
  • Bis zum 1. März eines jeden Jahres erstellt das Nationale Zentrum für öffentliche Gesundheit dann einen Bericht über die Umsetzung der Maßnahmen, der der Koordinierungsbehörde für die Umsetzung der Verordnung 2017/852 vorgelegt wird.

20. Rumänien (Verwendung von Amalgam: 71 % im Jahr 2012)

  • Die Verwendung von Dentalamalgam soll nur in einer ausgewählten Liste von medizinischen Kliniken erlaubt werden.
  • Patienten sind verpflichtet, vor der Verwendung von Amalgam eine informierte Einwilligung auszufüllen.

21. Bulgarien (Verwendung von Amalgam: 30 % im Jahr 2012)

  • Bulgarien betont die Notwendigkeit der Datenerhebung von der tatsächlichen Verwendung von Amalgam, die Notwendigkeit einer verstärkten Prävention und der Aufklärung von Zahnmedizinstudenten und der Bevölkerung über die Risiken von Zahnamalgam.

22. Frankreich (Verwendung von Amalgam: 5% – 25%)

  • Der NAP konzentriert sich in erster Linie auf die Prävention von Karies und betont den kontinuierlichen Rückgang der Verwendung von Dentalamalgam.
  • 2014 aktualisierte die Zahnärztekammer ihre Behandlungsempfehlung für Füllungsmaterialien und fordert seither Zahnärzte auf, Dentalamalgam nur bei wenigen begrenzten und begründeten Indikationen zu verwenden.

23. Belgien (Verwendung von Amalgam: 5% – 7%)

  • Der NAP konzentriert sich in erster Linie auf die Prävention von Karies und hebt den kontinuierlichen Rückgang des Einsatzes von Amalgam hervor.

*  Slowenien (Verwendung von Amalgam: 71 % im Jahr 2012)

  • Slowenien hat lediglich seinen nationalen Umsetzungsplan für die Minamata-Konvention über Quecksilber (von 2017) bei der Europäischen Kommission eingereicht.
  • Es gibt bislang keinen offiziellen Plan, der sich mit Maßnahmen zur Verringerung der Verwendung von Dentalamalgam befasst.
  • Obwohl Dentalamalgam in Slowenien nicht hergestellt wird, ist es immer noch das Standardmaterial, das in der Zahnmedizin verwendet wird.

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Europa

1. Norwegen (derzeitige Verwendung von Amalgam: 0%)

  • 1991 gab Norwegen die ersten Richtlinien heraus um die Verwendung von Amalgam aufgrund der Umweltauswirkungen einzuschränken. Im Jahr 2003 wurden strengere Richtlinien erlassen, die vorschrieben alternative Matrialien als erste Wahl für Füllungen zu verwenden.
  • Seit 2008 gilt in Norwegen ein generelles Verbot von quecksilberhaltigen Produkten. Dies beinhaltete auch ein Verbot von Amalgam, mit einer – inzwischen abgelaufenen – Ausnahmeregelung für Sonderfälle.
  • Die Verwendung von Amalgam ist seit 2011 ohne Ausgaben verboten.

2. Neukaledonien (Frankreich)

  • Am 16. September 2019 hat das Haut-Commissariat de la République en Nouvelle-Calédonie beschlossen, die Verwendung von Dentalamalgam sofort einzustellen.

3. Republik Moldau

  • Zum Schutz der Gesundheit und der Umwelt ist die Herstellung, das Inverkehrbringen und die Verwendung von Dentalamalgam seit dem 15.02.2020 verboten.

4. Schweiz (derzeitige Verwendung von Amalgam: weniger als 1%)

  • Die Schweiz verbietet seit dem 31. Dezember 2017 über die Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung die Verwendung von Dentalamalgam in Fällen, in denen aus medizinischen Gründen einem anderen Füllungsmaterial der Vorzug gegeben werden kann.
  • In jedem Fall ist die Zustimmung des Patienten zum Behandlungsverfahren unbedingt erforderlich.

Kennzeichnungspflicht für Amalgamfüllungen

Im Zuge des Nationale Aktionsplan der Bundesregierung zur schrittweisen Verringerung von Dentalamalgam wurde durch eine Änderung im Bundesmantelvertrag beschlossen, dass Zahnärzte Amalgamfüllungen ab dem 01. Januar 2021 bei der Abrechnung mit gesetzlichen Krankenkassen abrechnen müssen. So soll endlich Klarheit über die tatsächliche Verwendung geschaffen werden. Ausserdem sind ist die Statistik der Abrechnung von Kompositfüllungen über die gesetzlichen Krankenversicherungen für 2019 erschienen. Die Gesamtzahl der abgerechneten Füllungen 13e-h beliefen sich laut KZBV Jahrbuch auf rund. 2,231 Mio, ein Anteil von rund 4,5 % von allen Füllungen. Das ist in sofern von Bedeutung, da der Bewertungsausschuss eine Überprüfung des bestehenden Bewertungsmaßstabes vornehmen muss, sobald der Prozentsatz von 1% wesentlich überschritten wird. (Gemäß Beschluss des Bewertungsausschusses BEMA 13h gültig ab dem 1. Juli 2018.)

Politische Ansätze zum Amalgam-Ausstieg in Deutschland

Unter der Annahme eines generellen Ausstiegs aus der Amalgamverwendung schlägt dieses Dokument einen Weg vor, der den öffentlichen Bedarf an grundlegender und kosteneffektiver Gesundheitsversorgung mit dem Bedürfnis des Zahnarztes nach Aufrechterhaltung eines lebensfähigen Geschäfts verbindet. Es wird empfohlen, dass in der Post-Amalgam-Ära die folgenden grundlegenden Anforderungen zunächst eingehalten werden können:

  • Volle öffentliche Rückerstattung für grundlegende quecksilberfreie Restaurationen;
  • Einschränkungen hinsichtlich des Umfangs der privaten Abrechnung, wobei die Möglichkeit für Zahnärzte erhalten bleiben muss, dem Patienten Behandlungen in Rechnung zu stellen, die über die Grundversorgung hinausgehen;
  • Die Möglichkeit für Zahnärzte, Amalgam nur in Ausnahmefällen zu verwenden;
  • Begrenzte zusätzliche Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträge zur öffentlichen Krankenversicherung;
  • Maßnahmen zur Berücksichtigung der besonderen Bedürfnisse des wirtschaftlich benachteiligten Teils der Bevölkerung;
  • Die Anforderung, dass Zahnärzte Daten über die Art des Materials, das verwendet wird, dokumentieren und den öffentlichen Versicherungsgesellschaften vorlegen;
  • Die Verpflichtung für Zahnärzte, weiterhin alle gefährlichen Abfälle und Abwässer ordnungsgemäß zu entsorgen.

Drei Hauptoptionen, die diese grundlegenden Anforderungen integrieren, wurden in diesem Bericht ausgearbeitet und analysiert:

Option 1: Vollständige Erstattung von Kompositen anstelle von Amalgam

Option 2: Volle Rückerstattung für einlagige Füllungen, mit einer zusätzlichen Gebühr für mehrschichtige Füllungen

Option 3: Volle Rückerstattung nur für ein- und zweiflächige Füllungen, mit einer festen Rückerstattung für größere Füllungen

Den vollständigen Bericht finden Sie hier:

    

Italien kündigt Amalgam-Ausstieg 2024 an

Das italienische Gesundheitsministerium hat am 23. Februar 2021 seinen Nationalen Aktionsplan zur Reduzierung der Verwendung von Dentalamalgam veröffentlicht, in dem es „die Maßnahmen beschreibt, die notwendig sind, um den schrittweisen Ausstieg aus der Verwendung von Dentalamalgam in der Zahnheilkunde zu erreichen, mit dem letztendlichen Ziel, einen vollständigen Ausstieg der Verwendung (durch nicht-zwingende Maßnahmen) bis zum 31. Dezember 2024 zu erreichen!“ Auch wenn der Plan vorwiegend auf die Information der Bevölkerung und Ausbildung von Zahnärzten setzt und keine restriktiven Maßnahmen enthält, ist das Ausstiegs-Datum doch ein klares Signal. http://www.salute.gov.it/portale/documentazione/p6_2_2_1.jsp?lingua=italiano&id=3022