Amalgam

Amalgam-Füllungen, die älter als zehn Jahre sind, sollten vom  Zahnarzt geprüft werden. Dann beginnen sie, kaputt zu gehen und lösen sich zum Beispiel an der Seite auf. Dann sollten sie durch andere Füllungen ersetzt werden.

Zeichen von Quecksilberablagerungen im Körper können sich in Müdigkeit, Abgeschlagenheit, einem allgemeinen Unwohlsein, Zungenbrennen, Metallgeschmack im Mund oder gerötetem Zahnfleisch, unklaren Gelenk – und Kopfschmerzen bemerkbar machen.  Die höchste Quecksilber Exposition entsteht beim Legen und beim Herausbohren einer Amalgamfüllung. Insbesondere beim Herausbohren können kleinste Amalgampartikel in die Mundhöhle gelangen und über die Schleimhäute in den Körper aufgenommen werden. Gleichzeitig werden giftige Quecksilberdämpfe freigesetzt.

Die Amalgamentfernung funktioniert so:

1. Kofferdam: Der zu behandelnde Zahn wird durch ein spezielles Spanngummi von der Mundhöhle und den Nachbarzähnen isoliert.

2. Spezielle Absaugkanüle: Hierbei umschließt eine spezielle Kunststoffkappe (Clean-Up-System aus Schweden) den Zahn und ist mit einem leistungsfähigen Sauger verbunden.

3. Sauerstoff: Mittels einer Sauerstoff-Nasensonde ist es möglich, Sie während des Herausbohrens des Amalgams zusätzlich mit Sauerstoff zu versorgen.

4. Mundspülung: Eine spezielle Mundspülung kann Quecksilber binden, sofern doch etwas in den Rachen gelangt.

Durch spezielle Bohrer und eine niedrige Drehzahl ist für zusätzlichen Schutz gesorgt.

Sind alle Amalgamfüllungen entfernt und die Zähne mit provisorischen Füllungen versorgt, kann die Amalgamsanierung weiterhin unterstützt werden.

Während das Amalgam in Ihrem Mund war, wurde dauerhaft in sehr geringen Mengen Quecksilber über die Schleimhäute und über die Dentinkanälchen in die Blutbahn abgegeben. Die Halbwertszeit von Quecksilber beträgt etwa 30 Jahre. Dies bedeutet, dass nach 30 Jahren im Körper vorhandenes Quecksilber zu 50 % abgebaut ist. Über spezielle Komplexbildner wird das Quecksilber aus dem Körper gebunden und innerhalb von etwa 6 Monaten über den Darm ausgeschieden. Ist dies alles erreicht, können die Zähne definitiv mit neuen Füllungen aus Kunststoff, Keramik oder Gold neu und dauerhaft versorgt werden.

Sichere Amalgamentfernung

Amalgam-Füllungen, die älter als zehn Jahre sind, sollten vom  Zahnarzt geprüft werden. Dann beginnen sie, kaputt zu gehen und lösen sich zum Beispiel an der Seite auf. Dann sollten sie durch andere Füllungen ersetzt werden.
Zeichen von Quecksilberablagerungen im Körper können sich in Müdigkeit, Abgeschlagenheit, einem allgemeinen Unwohlsein, Zungenbrennen, Metallgeschmack im Mund oder gerötetem Zahnfleisch, unklaren […]

Amalgam-Füllungen bestehen zu über 50% aus hoch giftigem Quecksilber. In der Zahnmedizin ist dieses Material seit seiner Einführung, Anfang des 19ten Jahrhunderts, sehr umstritten und war in den USA zeitweilig sogar verboten. Vornehmlich aus Mangel an kostengünstigen Alternativen hat sich die Verwendung jedoch durchsetzen können. Ausserdem gingen Befürworter davon aus, dass das Quecksilber in den Füllungen fest eingebunden sei. Seit einer WHO-Studie von 1991 ist jedoch bestätigt, dass Quecksilber sich ständig aus den Füllungen löst und zwar mehr, als der Mensch durch Nahrung oder Atemluft aufnimmt.
Bereits relativ geringe Mengen von Quecksilber können schwerwiegende Erkrankungen nach sich ziehen. Die Menge von freigesetztem Quecksilber aus Amalgam-Füllungen hängt dabei von der Anzahl und ihre Beschaffenheit ab. Die Oberfläche sollte poliert und glatt sein, jedoch nutzt sie sich auch nach guter Anfertigung mit der Zeit ab. Im Mund löst sich das Quecksilber ins Besondere beim Kauen oder Zähneknirschen sowie beim Verzehr von heißen Speisen oder bei sehr sauren Bedingungen. Ausserdem wird Quecksilber durch Korrosion und elektrochemische Vorgänge bei Anwesenheit von anderen Metallen freigesetzt. Die höchste Exposition durch Quecksilber aus Amalgam-Füllung entsteht jedoch bereits beim Anmischen und Legen der Füllungen sowie beim Herausbohren.(Beim Entfernen sollte daher darauf geachtet werden, dass kein Diamantbohrer mit hoher Drehzahl verwendet wird, sondern geeignete Instrumente, um mit geringem Anpressdruck möglichst große Füllungsfragmente zu lösen).

 

Wie entfaltet das Quecksilber aus Amalgamfüllungen seine toxische Wirkung?

Die toxischen Wirkungen werden wahrscheinlich nicht direkt vom elementaren Quecksilber verursacht, sondern von den Quecksilberverbindungen, die daraus entstehen. Bei vergleichbarer Belastung wächst die Toxizität in der Reihe anorg. Hg(I) < anorg. Hg(II) < org. Hg(II) an.

•Quecksilberverbindungen reagieren mit SH-Gruppen von Proteinen(z. B. Enzymen in den Nierentubuli) wodurch zum einen deren Funktion gestört wird und zum anderen ein neues, dem Immunsystem bisher unbekanntes Protein entsteht, welches eine Autoimmunreaktion auslösen kann.
•Quecksilberverbindungen schädigen Membranen und reagieren mit Amino-gruppen, wie z. B. Nukleinsäuren, was zu einer Reduzierung des RNA-gehaltes in der Zelle führt.
•Quecksilber bindet wesentlich fester als Zink an das Trägerprotein Metallothionin, an dem Zink intrazellulär gebunden ist und verdrängt es aus der Zelle.
•Quecksilber bindet stark an Selen, wodurch ein Selenmangel entstehen kann und eine verminderte Funktion selenabhängiger Enzyme, die in nahezu allen Organen vorkommen, also Störungen verschiedener Organsysteme.
(z.B. Funktionsstörungen der Schilddrüse oder Unfruchtbarkeit des Mannes)
•Quecksilber, welches an Selen zu Quecksilberselenid gebunden ist, kann vom Körper nicht mehr ausgeschieden werden und reichert sich vornehmlich im Gehirn an.

 

Welche Formen von Quecksilber gibt es?

1. Elementares-metallisches-Quecksilber•Hg(0)

Elementares Quecksilber entweicht als Dampf aus den Füllungen und kann über die Atemorgane in die Blutbahn gelangen. Quecksilberdämpfe schlagen sich aber auch auf der Nasenschleimhaut nieder und gelangen von dort direkt in das Gehirn und die Hypophyse. Transportwege sind dabei die olfaktorischen Nerven oder das Venensystem des Kopfes. Im Speichel gelöst kann der Quecksilberdampf auch nach Verschlucken über den Magen-Darm-Trakt resorbiert werden. Allerdings nur zu einem geringen Prozentsatz solange die Barrierefunktion der Darmschleimhaut intakt ist.
In der Lunge wird ca. 80% des eingeatmeten Quecksilbers (fettlöslich) vom Blut aufgenommen, das sich im gesamten Körper verteilt , wo es die meisten Zellmembranen sowie die Blut-Hirn-Schranke und die Plazenta leicht passiert. In den Erythrozyten und den Organen (vor allem Leber und Gehirn) wird dann metallisches zu anorganischem Quecksilber(Hg2+) oxidiert. Da es zwar als Hg(0) die Bluthirnschranke passieren kann, jedoch nach der Oxidation nicht mehr aus dem Gehirn entweichen, akkumuliert es dort.
Eine chronische Exposition von Quecksilberdampf kann zu Polyneuropahtien (Nervenschädigungen) wie Zittern, Wahnvorstellungen, Gedächtnisverlust und neurokognitiven Störungen führen. Darüber hinaus kann eine langfristige Exposition zu Nierenschädigungen führen. Es wird angenommen, dass die letztlich neurotoxische Komponente nach der Exposition gegenüber Quecksilberdampf Hg2+ ist. Nach inhalativer Aufnahme wird elementares überwiegend mit dem Stuhl und Urin ausgeschieden.

2. Anorganisches Quecksilber • (Hg2++) / (Hg2+)

Anorganische Quecksilberverbindungen können Quecksilber entweder in der Oxidationsstufe I (Hg2++) oder II (Hg2+) enthalten.
Es akkumuliert am stärksten in der Niere, gebunden an Metallothionein, (50 % der gesamten Hg-Körperlast), gefolgt von der Leber. Der auffälligste Effekt ist die Nekrose der Nierentubuli. Ist die Niere erst einmal geschädigt entsteht ein Teufelskreis, denn dadurch wird auch wiederum die Quecksilberausscheidung eingeschränkt.
Weiterhin sind Wirkungen auf Blutdruck und Herzschlag bekannt, Schädigung des Magens, Wirkung auf das Immunsystem (insbesondere bei sensiblen Personen) oder Schädigung des Nervensystems (psychopathologische Veränderungen).

3. Organisches Quecksilber • (R-Hg+)

Alkyl-Hg-Verbindungen werden zu 90% in die Erythrozyten aufgenommen und verteilen sich gleichmäßig im ganzen Körper. In den Bindegeweben wird es langsam zu anorganischem Quecksilber umgesetzt.

4. Methylquecksilber

Quecksilber wird durch anaerobe Bakterien in Methylquecksilber umgewandelt. Dies geschieht vornehmlich in Oberflächengewässern. Der Mensch nimmt das Methylquecksilber daher hauptsächlich durch die Nahrung in Form von Fisch und Meerestieren auf.
Allerdings kann eine Methylierung auch durch Mikroorganismen wie Staphylokokken, Streptokokken, E.Coli oder Candida Albicans in Mund und Darm (mit Hilfe von Methylcobalamin (Derivat des Vitamins B12)) stattfinden. Methylquecksilber ist die giftigste Form des Quecksilbers. Eine neue Studie hat belegt, dass die Konzentration von Methylquecksilber im Körper mit der Anzahl der Amalgamfüllungen korreliert.

(University of Giorgia, 15.000 Probanden, https://www.sciencedaily.com/releases/2016/09/160927143042.htm)

Die Ausscheidung von MeHg+ erfolgt über die Gallensäure, welche zum größten Teil im terminalen Illeum rückresorbiert wird. Bei der Darmpassage demythiliert ein weiterer Anteil durch Darmbakterien zu Hg2+ welches auch zu 10% rückresorbiert wird und sich im Körper anreichert.

 

 

 

 

Amalgam-Toxikologie

Amalgam-Füllungen bestehen zu über 50% aus hoch giftigem Quecksilber. In der Zahnmedizin ist dieses Material seit seiner Einführung, Anfang des 19ten Jahrhunderts, sehr umstritten und war in den USA zeitweilig sogar verboten. Vornehmlich aus Mangel an kostengünstigen Alternativen hat sich die Verwendung jedoch durchsetzen können. Ausserdem gingen Befürworter davon aus, dass das Quecksilber in den […]

Komposit als dauerhafte Alternative

  • SCENIHR: Die Langlebigkeit der zahnärztlichen Reparaturen mit alternativen Materialien im Seitenzahnbereich wurde mit der Weiterentwicklung dieser Materialien und der steigenden Vertrautheit mit den effektiven Techniken durch die Behandelnden verbessert. Aktuelle Studien aus den Niederlanden, Schweden und Dänemark konnten sehr gute Langzeitergebnisse in klinischer Effektivität von Kompositrestaurationen im Seitenzahnbereich nachweisen, mit ähnlicher oder besserer Langlebigkeit wie Amalgam. [i]
  • Der von der Europäischen Kommission angeforderte BIOIS-Bericht 2012 kommt zu dem Schluss: Angesichts der Ergebnisse neuerer Studien, in denen die Langlebigkeit verschiedener Materialien verglichen wurde, wird in der vorliegenden Studie davon ausgegangen, dass die Langlebigkeit von quecksilberfreien Füllungen nicht länger ein Faktor ist, der die Gesamtkostendifferenz zwischen Zahnamalgam und Composite- oder Glasionomer-Restaurationen signifikant beeinflusst. [ii]
  • Komposite halten in
    7% der Fälle 5 Jahre und 82.2% der Fälle 10 Jahre
    Amalgame halten in
    89.6% 5 Jahre und 79.2% 10 Jahre
    Opdam et. al (veröffentlicht in Dental Materials, 2007)[iii]
  • Neuste Studien zeigen, dass Komposite nicht nur so lange halten wie Amalgam, sondern auch eine insgesamt höhere Survival-Rate haben[iv]
  • Ein Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hebt die Vorteile von quecksilberfreien Zahnrestaurationsmaterialien zur zukünftigen Verwendung bei der Zahnrestauration hervor. Dort heißt es  jüngste Daten würden nahelegen, dass sich RBCs [harzbasierte Komposite] ebenso gut eignen wie Amalgam – und zusätzliche Vorteile für die Mundgesundheit haben, denn die Verarbeitung adhäsiver Kunstharzmaterialien ermöglichen eine geringere Abtragung gesunder Zahnsubstanz und damit ein längeres Überleben des Zahnes. Behörden und Verbände sollten die Initiative ergreifen und den Ersatz von Amalgam als Material der Wahl für Seitenzähne durch Adhäsivsysteme fördern.
[i] European Commission Scientific Committee on Emerging and Newly Identified Health Risks (SCENIHR), Final opinion on the safety of dental amalgam and alternative dental restoration materials for patients and users (29 April 2015), https://ec.europa.eu/health/scientific_committees/emerging/docs/scenihr_o_046.pdf
[ii] BIO Intelligence Service (2012), Study on the potential for reducing mercury pollution from dental amalgam and batteries, Final report prepared for the European Commission-DG ENV, https://ec.europa.eu/environment/chemicals/mercury/pdf/Final_report_11.07.12.pdf, p.69
[iii] Opdam NJ, Bronkhurst EM, Roeters JM, Loomans BA. A retrospective clinical study on longevity of posterior composite and amalgam restorations. Dent Mater 2007;23(1):2-8, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16417916
[iv] N.J.M. Opdam, E.M. Bronkhorst, B.A.C. Loomans, and M.-C.D.N.J.M. Huysmana, 12-Year Survival of Composite vs. Amalgam Restorations, Journal of Dental Research (October 2010), Vol. 89, 10: pp. 1063-1067, https://jdr.sagepub.com/content/89/10/1063.abstract

Qualität von alternativen Füllungsmaterialien

Komposit als dauerhafte Alternative

SCENIHR: Die Langlebigkeit der zahnärztlichen Reparaturen mit alternativen Materialien im Seitenzahnbereich wurde mit der Weiterentwicklung dieser Materialien und der steigenden Vertrautheit mit den effektiven Techniken durch die Behandelnden verbessert. Aktuelle Studien aus den Niederlanden, Schweden und Dänemark konnten sehr gute Langzeitergebnisse in klinischer Effektivität von Kompositrestaurationen im Seitenzahnbereich nachweisen, mit ähnlicher oder […]

Vorbild Amalgam-Verbot in Schweden[i]

Auf dem Weg zu einem Amalgamverbot hielt sich jahrzehntelang hartnäckig das Argument es gäbe keine alternativen Füllungsmaterialien, die bezüglich der Belastbarkeit und Lebensdauer vergleichbar mit Amalgam seien. Versorgungen aus Gold- beziehungsweise Keramikfüllungen für die breite Bevölkerungsschicht sind zu teuer. Mittlerweile sind Kunststofffüllungen als Alternativen jedoch so weit entwickelt worden, dass sie ähnliche Eigenschaften aufweisen und auch die Kosten vergleichbar sind. Aus diesem Grund konnte in Schweden 2009 ein Amalgamverbot durchgesetzt werden, ohne dass die Ausgaben für die Zahnversorgung gestiegen wären. Schon 1999 hatte Schweden den ersten Versuch unternommen Amalgam zu verbieten und scheiterte damals noch an den Maastrichter Verträgen. Trotz des offiziellen schwedischen Gutachtens Zahnmaterialien und Gesundheit von 2003 mit dem Urteil, dass Amalgam aus medizinischen Gründen verboten werden sollte, blieb auch ein Verbot durch das Gesundheitsministerium aus. (Inoffiziell wird bestätigt, dass ein Verbot aufgrund direkter Gesundheitsgefährdung das Gesundheitsministerium in die Verantwortung ziehen würde und es somit zu Schadensersatzansprüchen und Kostenerstattungsansprüchen für Amalgamentfernungen kommen könne.) Am 15. Januar 2009 kam es dann zu einer eleganten Lösung für die schwedische Regierung. Das Umweltministerium entschied, den Gebrauch von Quecksilber generell zu verbieten, womit Amalgam einbegriffen war. Norwegen und Dänemark (mit kleinen Einschränkungen) hatten 2008 bereits ein Amalgamverbot erfolgreich umgesetzt. Nun rief Schweden andere Staaten auf, seinem Beispiel zu folgen.

[i] umwelt · medizin · gesellschaft, Gesundheitsrisiko Amalgam: Verbot in Sicht?(2016)
https://www.deguz.de/files/DEGUZ/Sonstiges/Gesundheitsrisiko_Amalgam.pdf

Vorbild Amalgam-Verbot in Schweden

Vorbild Amalgam-Verbot in Schweden[i]
Auf dem Weg zu einem Amalgamverbot hielt sich jahrzehntelang hartnäckig das Argument es gäbe keine alternativen Füllungsmaterialien, die bezüglich der Belastbarkeit und Lebensdauer vergleichbar mit Amalgam seien. Versorgungen aus Gold- beziehungsweise Keramikfüllungen für die breite Bevölkerungsschicht sind zu teuer. Mittlerweile sind Kunststofffüllungen als Alternativen jedoch so weit entwickelt worden, dass sie ähnliche […]

Die Kernproblematik bei der Kostenverteilung

  • Die Regelversorgung in Deutschland sieht vor, dass jeder Patient Anspruch auf kostenlosen Zahnersatz hat. Der Patient kann aber wählen, ob er eine Regelversorgung in Anspruch nehmen will, oder ob er eine gleichartige Versorgung oder andersartige Versorgung als Zahnersatz bevorzugt. Der Anspruch des Patienten auf einen Festzuschuss zur Regelversorgung bleibt ihm – unabhängig von der gewählten Versorgungsform − erhalten.
  • Amalgam ist die Regelversorgung im Seitenzahnbereich und wird mit ca. 28 – 51 € (32-58 Punkten) von den Krankenkassen erstattet.
  • Eine haltbare Alternative zu Amalgam ist die Kompositfüllung, welche von Zahnärzten mit etwa 100-150€ berechnet wird, wovon der Patient die Differenz zur Regelversorgung über die Mehrkostenregelung an den Zahnarzt selbst bezahlt.
  • Sollte Amalgam bei einem Patienten absolut kontraindiziert sein (nachgewiesene Allergie oder Nierenschaden), erstatten die Krankenkassen die Positionen e,f,g der BEMA von 46-74 € (52-84 Punkten) je nach Anzahl der Oberflächen.
  • Da nur noch rund 20% aller Zahnärzte in Deutschland mit Amalgam arbeiten und die Abneigung bei Patienten gegen Amalgam aufgrund gesundheitsgefährdender Risiken und der Ästhetik gestiegen ist, kommen immer häufiger auch kostengünstigere Alternativmaterialien, vor allem bei sozial schwächere Patienten, zum Einsatz. Die Qualität und Lebensdauer von Kompomeren oder Glasionomerzementen hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert. Sie werden jedoch nach wie vor nur als vorübergehende Füllung angesehen.

Bei einer Anpassung des Leistungskatalogs in der Weise, dass die finanzielle Belastung des Gesundheitssystems auf der Basis der verbliebenen 10% Amalgam-Füllungen beschränkt werden, würden die Gesamt-Zusatzkosten auf 120 bis 130 Mio. EUR limitiert bleiben, z.B. indem die Vergütung für die Zahnärzte zwar erhöht, bei Zahnfüllungen aber auf ein System mit Festzuschuss umgestellt wird, wie das seit 2005 auch schon bei Zahnersatz der Fall ist (GKV-Spitzenverband o.J.).

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Problematik der Kostenverteilung in Deutschland

Die Kernproblematik bei der Kostenverteilung

Die Regelversorgung in Deutschland sieht vor, dass jeder Patient Anspruch auf kostenlosen Zahnersatz hat. Der Patient kann aber wählen, ob er eine Regelversorgung in Anspruch nehmen will, oder ob er eine gleichartige Versorgung oder andersartige Versorgung als Zahnersatz bevorzugt. Der Anspruch des Patienten auf einen Festzuschuss zur Regelversorgung bleibt ihm – […]

Kosten der Entsorgung umweltgefährdender Abfälle in der Zahnarztpraxis[i]

Die gegenwärtige und historische Verwendung von Amalgam führt dazu, dass Amalgam als Sonderabfall getrennt gesammelt und behandelt werden muss. Hierzu zählen vor allem überschüssige Amalgamabfälle aus dem Absatz, der in Amalgamabscheidern und Zahnarztstuhlsammelbehältern anfällt, sowie in geringerem Maße feste Abfälle aus der Aufbereitung von Neuamalgam. In Deutschland belaufen sich die Kosten der Abfallverwertung für Zahnärzte auf bis zu 600 Euro pro Jahr.

Kontrolle der lückenlosen Amalgamentsorgung in der Zahnarztpraxis[ii]

Immer noch ist Amalgam (A), eine Legierung mit einem hohen Anteil Quecksilber (Hg) sowie Silber (Ag) und Zinn (Sn), ein brisantes Thema für die Entsorgung. Amalgam wird zwar in immer weniger Praxen verwendet, fällt aber gelegentlich beim Herausbohren alter Füllungen oder beim Befüllen einer neuen Kavität mit Amalgam doch noch an. Dann entstehen Rückstände beispielsweise als Knet- und Stopfreste, als Kapseln mit Amalgam-Anhaftungen oder auch als A-Füllung in extrahierten Zähnen. In diese Gruppe gehören auch die Reste aus den seit 1989 vorgeschriebenen Amalgamabscheidern. Sie müssen je nach Typ alle sechs bis zwölf Monate ausgetauscht werden. Denn Quecksilber im Abwasser kann in höheren Konzentrationen zu erheblichen Problemen in der Kläranlage führen, wodurch der Klärschlamm aufgrund seiner hohen Belastung nicht mehr als Dünger in der Landwirtschaft genutzt werden kann.

Der Amalgamabscheider muss zudem alle fünf Jahre überprüft werden. Das ist bundesweit einheitlich vorgeschrieben. Trotzdem schwebt das Thema Amalgamabscheider immer noch in einer sogenannten Grauzone, denn nur die Bundesländer Hessen, Berlin, Brandenburg, Schleswig-Holstein und Thüringen haben die Abscheider-Überprüfung von einem ausgewiesenen Sachverständigen inzwischen verbindlich vorgeschrieben. Bei Unregelmäßigkeiten in diesem Sektor droht sogar die Schließung der Praxis.

Alle amalgamhaltigen Abfälle fallen unter die Rubrik „gefährlich“ und müssen gesondert entsorgt werden. Meistens nehmen die Hersteller oder die Dental-Depots (Dentalfachhändler) diese zurück und geben sie an den Entsorger weiter.

Ein weiterer Sonderfall sind die Filtersiebe, die unter dem Speibecken eingebaut sind. Sie dürfen nicht abgespült werden, denn dann könnte die Amalgamschlacke in das Abwasser gelangen. Oft sind diese mit einem grausilbrigen Schlamm überzogen. Deshalb müssen sie wöchentlichen gewechselt und dem Sondermüll zugeführt werden. Das ist preislich nicht unerheblich, kostet so ein Sieb doch um die drei Euro. Wenn man das für jeden Stuhl in der Praxis berechnet, summieren sich erhebliche Beträge für Zahnärzte zur Gewährleistung der Qualitätssicherung.

Gesundheitskosten durch Quecksilberbelastungen in Zahnarztpraxen[iii]

Eine Studie der University of Massachusetts Lowell im Jahr 2012 ergab, dass viele Angestellte in Zahnarztpraxen höheren Quecksilberbelastungen ausgesetzt sind und sich bei ihnen ein höheres Maß an Quecksilber im Körper findet, als bei der Gesamtbevölkerung.
Die Studie legt nahe, dass die Verwendung von Amalgam minimiert und letztendlich abgeschafft werden sollte, um die Akkumulation von Quecksilber im Körper der Mitarbeiter in Zahnarztpraxen und den weiteren Transport ins Ökosystem zu vermeiden.

Kosten durch Quecksilberbelastung des Klärschlamms in Deutschland[iv],[v],[vi]

2016 trat eine Änderung der Düngemittelverordnung in Kraft, die den zulässigen Grenzwert von Quecksilber im Klärschlamm von 8 mg/kg auf 1 mg/kg senkt.
Zu hohe Quecksilberwerte im Klärschlamm führen dazu, dass dieser verbrannt werden muss und somit zu enormen Mehrkosten für die Gemeinden. In Coppenbrügge konnten die Zahnarztpraxen als Verursacher der erhöhten Belastung identifiziert werden. Obwohl in beiden Praxen ein Amalgamabscheider vorhanden ist, kann durch diese das Quecksilber nicht vollständig gefiltert werden. Auch in anderen Städten, beispielsweise Kiel und Hanerau-Haldermarschen konnten unzulässig hohe Quecksilbereinträge im Abwasser nachgewiesen werden.

Indirekte Gesundheitskosten durch Quecksilberemissionen in die Umwelt[vii]

Quecksilberemissionen aufgrund der Nutzung von Dentalamalgam erhöhen die Quecksilberkonzentration in Böden und Gewässern. Dort kann es in Methylquecksilber umgewandelt und über Nahrungsmittel v.a. Fisch vom Menschen aufgenommen werden. Besonders gefährdet sind Schwangere und Ungeborene. Bei Ungeborenen kann es zu irreversiblen neurologischen Schädigungen kommen, die eine dauerhafte Verminderung des Intelligenzquotienten zur Folge haben. Dieser lässt sich volkswirtschaftlich bewerten. In Bezug auf ein kg atmosphärisch emittierten Quecksilbers ergeben sich dann laut ECHA (2010) volkswirtschaftliche Schäden in Höhe von 5 000 bis 20 000 EUR. Die Schäden könnten tatsächlich noch weit höher liegen (bis 250 000 EUR), wenn ein weitaus weniger gesicherter Zusammenhang mit Herz-Kreislauferkrankungen berücksichtigt wird (ECHA 2010, BIO 2012).

Umweltschutzkosten aufgrund des gegenwärtigen und früheren Gebrauchs von Dentalamalgam[viii]

BIO (2012) verweist im Text auf eine neue Studie von Concorde (2012), in der gezeigt wird, dass die Kosten für Dentalamalgam und quecksilberfreien Füllungen in etwa gleich sind, wenn alle externen Kosten in den Preis je Füllung einbezogen werden. Hierbei wurden Maßnahmen berücksichtigt, die nötig sind, um Quecksilber weitgehend aus allen relevanten Abfallströmen zu beseitigen, u.a. thermische Behandlung von Klärschlamm, Recycling schwach quecksilberhaltiger Abfälle, Filter in Müllverbrennungsanlagen. Hierbei wurden bereits getätigte Investitionen, z.B. für integrierte einfache Auffangbehälter für Dentalquecksilber in Zahnarztstühlen nicht berücksichtigt. Die finanziell am schwersten wiegenden Positionen sind die thermische Behandlung quecksilberhaltiger Verbrennungsrückstände (160-240 Mio. USD), das Recycling schwach quecksilberhaltiger Amalgam-Abfälle (192-288 Mio. USD) und die thermische Behandlung von Klärschlämmen (440 660 Mio. USD). Insgesamt werden jährliche Kosten in Höhe von 2,1 bis 3,4 Mrd. USD ausgewiesen (Tab. 14).Diese lassen sich für die USA auf 40 bis 66 USD je Füllung berechnen. In der Summe wären Amalgamfüllungen gleich teuer wie Komposite (ca. 186 USD).

 

[i] BIO Intelligence Service (BIOIS), Study on the potential for reducing pollution from dental amalgam and batteries (2012)
https://ec.europa.eu/environment/chemicals/mercury/pdf/final_report_110712.pdf
[ii] zm online | 01.09.2012 | Heft 17/2012 https://www.zm-online.de/archiv/2012/17/praxis/entsorgung-von-abfaellen-aus-zahnarztpraxen/
[iii] University of Massachusetts Lowell (UMASS), Occupational Exposure to Elemental Mercury in Odontology/Dentistry (2012)
https://www.sustainableproduction.org/downloads/DentalMercuryReport.pdf
[iv] Deister- und Weserzeitung (Dewezet), Amalgam belastet Klärschlamm (2016)
https://www.dewezet.de/region/weserbergland/coppenbruegge-salzhemmendorf_artikel,-amalgam-belastet-klaerschlamm-_arid,2321109.html
[v] Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag  (sh:z), Quecksilber-Verschmutzung kostet Gemeinde 100.000 Euro (2017) https://www.shz.de/lokales/landeszeitung/quecksilber-verschmutzung-kostet-gemeinde-100-000-euro-id17782941.html
[vi] Kieler Nachrichten,  Zu viel Quecksilber: Kiel steuert um (2017)
https://www.kn-online.de/News/Nachrichten-aus-Kiel/Klaerschlamm-Verwertung-Zu-viel-Quecksilber-Kiel-steuert-um
[vii] Gesellschaft für Anlagen und Reaktorsicherheit (GRS) mbH, Analyse der Effizienz von Maßnahmen und Entwicklung von Strategien zur Verbesserung der internationalen Chemikaliensicherheit hinsichtlich der Auswirkungen für Mensch und Umwelt (2013)
https://www.bmub.bund.de/fileadmin/Daten_BMU/Pools/Forschungsdatenbank/fkz_3711_65_499_chemikaliensicherheit_bf.pdf
[viii] siehe 10

Verursachte Kosten durch Quecksilber in Amalgamfüllungen

Kosten der Entsorgung umweltgefährdender Abfälle in der Zahnarztpraxis[i]
Die gegenwärtige und historische Verwendung von Amalgam führt dazu, dass Amalgam als Sonderabfall getrennt gesammelt und behandelt werden muss. Hierzu zählen vor allem überschüssige Amalgamabfälle aus dem Absatz, der in Amalgamabscheidern und Zahnarztstuhlsammelbehältern anfällt, sowie in geringerem Maße feste Abfälle aus der Aufbereitung von Neuamalgam. In Deutschland belaufen […]

Quecksilberemission aus Amalgamfüllungen

Quecksilberemission aus Amalgamfüllungen
Amalgamfüllungen bestehen zu über 50% aus Quecksilber und die durchschnittliche Quecksilber-Menge pro Amalgamfüllung beträgt 0.6 g.
Die Europäische Union ist der größte Verbraucher von Quecksilber für Zahnfüllungen weltweit – der Konsum liegt bei schätzungsweise 75t jährlich. Die Amalgamnutzung beträgt in der EU aktuell circa ein Viertel des Gesamtverbrauchs reinen Quecksilbers.  Amalgamfüllungen sind „Quecksilbersenken“, denn […]

Anorganische Quecksilberverbindungen können Quecksilber entweder in der Oxidationsstufe I (Hg2++) oder II (Hg2+) enthalten.
Es akkumuliert am stärksten in der Niere, gebunden an Metallothionein, (50 % der gesamten Hg-Körperlast), gefolgt von der Leber. Der auffälligste Effekt ist die Nekrose der Nierentubuli. Ist die Niere erst einmal geschädigt entsteht ein Teufelskreis, denn dadurch wird auch wiederum die Quecksilberausscheidung eingeschränkt.
Weiterhin sind Wirkungen auf Blutdruck und Herzschlag bekannt, Schädigung des Magens, Wirkung auf das Immunsystem (insbesondere bei sensiblen Personen) oder Schädigung des Nervensystems (psychopathologische Veränderungen).

Anorganisches Quecksilber • (Hg2++) / (Hg2+)

Anorganische Quecksilberverbindungen können Quecksilber entweder in der Oxidationsstufe I (Hg2++) oder II (Hg2+) enthalten.
Es akkumuliert am stärksten in der Niere, gebunden an Metallothionein, (50 % der gesamten Hg-Körperlast), gefolgt von der Leber. Der auffälligste Effekt ist die Nekrose der Nierentubuli. Ist die Niere erst einmal geschädigt entsteht ein Teufelskreis, denn dadurch wird auch wiederum die […]